March 10, 2010 / 1:55 PM / 10 years ago

Wirtschaft droht Rückschlag wegen Exportschwäche

Berlin (Reuters) - Schwerer Rückschlag für die deutschen Exporteure: Die Ausfuhren brachen im Januar so stark ein wie seit einem Jahr nicht mehr.

New cars of several brands of German carmaker Volkswagen AG are covered with protective covers before they are loaded for export on a transport ship at the harbour of the Volkswagen plant in Emden April 24, 2009. REUTERS/Christian Charisius

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft auch im ersten Quartal nicht wächst. Gleichzeitig gewinnt China immer mehr Marktanteile. Der neue Exportweltmeister steigerte seine Ausfuhren im Februar erneut kräftig.

Die deutschen Exporte sanken um 6,3 Prozent im Vergleich zum Dezember, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Einen kräftigeren Rückgang gab es genau ein Jahr zuvor mit einem Minus von 7,2 Prozent. Experten hatten diesmal allerdings ein leichtes Plus erwartet. Sie machten für den Einbruch die schleppende Erholung in Europa verantwortlich, wohin rund zwei Drittel der deutschen Exporte gehen. “Die Folgen der Wirtschaftskrise zeigen sich insbesondere in Südeuropa, wo die Investitionszurückhaltung negativ auf die Nachfrage nach deutschen Produkten durchschlug”, sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner.

Auch der harte Winter dürfte gebremst haben: Schnee und Frost haben europaweit viele Baustellen lahmgelegt. “Stahl und andere Vorprodukte für den Bau wurden deshalb weniger nachgefragt”, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Axel Nitschke.

INSTITUT: WIRTSCHAFT DROHT IM 1. QUARTAL ZU SCHRUMPFEN

Weil neben dem Export auch Konsum und Bau schwächeln, droht die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn erstmals seit einem Jahr wieder zu schrumpfen. “Das erste Quartal wird sehr schwach werden”, sagte der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide. “Im Moment sieht es nach einem Minus aus - auch weil Schnee und Frost die Bauproduktion erheblich behindert haben.” Der Bau war im Januar mit 14,3 Prozent so stark eingebrochen wie seit 1997 nicht mehr.

Bereits am Jahresende hatte das Bruttoinlandsprodukt stagniert. Ein Rückfall in die Rezession befürchtet Scheide allerdings nicht: “Im Frühjahr kann die Belebung umso stärker ausfallen, wenn die Produktionsausfälle am Bau aufgeholt werden”. Der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt sagt einen holprigen Konjunkturverlauf voraus. “Wir müssen uns daran gewöhnen, dass es rauf und runter geht”, sagte Schmidt zu Reuters Insider TV. Er rechnet für 2010 mit einem Wachstum von 1,5 Prozent, nachdem die weltweite Wirtschaftskrise im Vorjahr für einen Rekordeinbruch von 5,0 Prozent gesorgt hatte. Dennoch könne die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten steigen.

Auch der Export wird sich nach dem schwachen Auftakt wieder fangen und zur Konjunkturlok werden, sind sich Experten einig. “Das ist nur eine kurzfristige Winterflaute”, sagte Nitschke. “Besserung ist in Sicht.” Die exportabhängige Industrie sammelte im Januar 1,9 Prozent mehr Auslandsaufträge ein. Der Einkaufsmanagerindex stieg im Februar so stark wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Das vom Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima verbesserte sich in der Industrie ebenfalls - auch weil der schwächere Euro die Exporte stützt. Der BGA sagt für 2010 ein Plus von bis zu zehn Prozent voraus, der DIHK von 8,5 Prozent. “Zugpferde sind China und Brasilien”, sagte Nitschke.

CHINA MIT KRÄFTIGEM WACHSTUM

Chinas Importe legten im Februar um 44,7 Prozent gemessen am Vorjahresmonat zu. Die Ausfuhren des neuen Exportweltmeisters kletterten sogar um 45,7 Prozent, während Deutschland im Januar nur auf plus 0,2 Prozent im Jahresvergleich kam. Allerdings waren Chinas Ausfuhren vor einem Jahr auf dem Höhepunkt der weltweiten Krise auch besonders stark eingebrochen. Im Vergleich zum Vormonat gab es der Industrial Bank in Shanghai zufolge ein leichtes Minus von 2,2 Prozent. Deutschland wurde 2009 von China als führende Exportnation abgelöst, nachdem die Ausfuhren mit 18,4 Prozent so stark eingebrochen waren wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik. Das vor der Krise erreichte Niveau wird Prognosen zufolge nicht vor 2012 wieder erreicht werden.

Die Importe legten im Januar um 6,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. Das war der stärkste Anstieg seit Juli 2008. Experten sehen darin aber kein Signal für eine steigende Binnennachfrage. “Ein Grund dafür sind höhere Ölpreise”, sagte ein Statistiker. Aber auch die steigende Nachfrage nach Heizöl und anderen Energieprodukten infolge des kalten Winters dürften eine Rolle gespielt haben. “Es musste tüchtig geheizt werden”, sagte DIHK-Experte Nitschke. “Das hat die Importe angekurbelt.”

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