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Deutsche Exporte gehen so stark zurück wie seit 2015 nicht
August 8, 2017 / 6:14 AM / 4 months ago

Deutsche Exporte gehen so stark zurück wie seit 2015 nicht

Berlin (Reuters) - Die Erfolgsserie der deutschen Exporteure ist abrupt gerissen: Ihr Geschäft schrumpfte im Juni nicht nur zum ersten Mal in diesem Jahr, sondern zugleich so stark wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.

FILE PHOTO: Cargo wagons are parked at a train station in Munich, Germany, May 6, 2015. REUTERS/Michaela Rehle/File Photo - RTX3C3QC

Die Ausfuhren fielen um 2,8 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang von 0,3 Prozent erwartet. Die Importe nahmen sogar um 4,5 Prozent ab und damit so kräftig wie seit Januar 2009 nicht mehr.

Ökonomen halten das schwache Abschneiden der Exporteure aber nicht für einen Beinbruch, sondern eher für einen Ausrutscher - bedingt durch die späten Feiertage Pfingsten und Fronleichnam. “Der Aufwärtstrend bleibt intakt”, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt der Großbank UniCredit, Andreas Rees, angesichts prall gefüllter Auftragsbücher. “Der Welthandel dürfte sich weiter erholen.” Davon sollte Deutschland in der zweiten Jahreshälfte profitieren. Daran wird dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zufolge auch die Aufwertung des Euro nichts ändern, die Waren “Made in Germany” teurer macht. “Der anziehende Euro ist vor allem Ausdruck für die steigende Drehzahl der europäischen Konjunktur”, sagte DIHK-Außenwirtschaftsexperte Ilja Nothnagel. “Davon profitieren deutsche Exporteure.”

BDI WARNT VOR RISIKEN

Im ersten Halbjahr zogen die Exporte um 6,1 Prozent auf mehr als 638 Milliarden Euro an. Damit ist die Branche auf gutem Wege, ihren erst 2016 erzielten Rekord zu brechen. Gut liefen die Geschäfte in den ersten sechs Monaten mit den anderen Euro-Ländern. Hier gab es ebenfalls ein Plus von 6,1 Prozent. Viele Staaten - darunter der nach den USA größte Exportkunde Frankreich - befinden sich in einem Aufschwung. Die Ausfuhren in Länder außerhalb der Europäischen Union - von den USA bis China - legten sogar um 7,0 Prozent zu.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht aber auch Risiken: “Die deutschen Exportunternehmen sind verunsichert”, sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. “Unter anderem könnten sich die jüngsten Sanktionen der USA gegen Russland und Iran auf deutsche und europäische Unternehmen negativ auswirken.” Zudem schwächelt Exportweltmeister China ein wenig, der als erster Großkunde der deutschen Wirtschaft bereits Außenhandelszahlen für Juli veröffentlichte. Die Ausfuhren wuchsen dort mit 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich langsamer als erwartet, ebenso die Importe mit elf Prozent. “Auf der Importseite sollten Pekings Maßnahmen beim Kampf gegen Schattenbanken-Aktivitäten und Überkapazitäten merkliche Spuren hinterlassen”, sagte NordLB-Ökonom Frederik Kunze. “Die chinesischen Exporteure dürften zudem einen stärkeren Renminbi zu spüren bekommen.”

Ein weiteres Risiko für Deutschland bleibt ein möglicher Handelsstreit mit den USA. Dieser könnte sich am enormen Handelsüberschuss entzünden: Im ersten Halbjahr übertrafen die deutschen Exporte die Importe um mehr als 122 Milliarden Euro. US-Präsident Donald Trump ist das ein Dorn im Auge. Deutschland steht deswegen aber auch international am Pranger. Experten wie der Internationale Währungsfonds sehen darin einen Hinweis, dass Deutschland zu Hause zu wenig investiert, was langfristig das Wachstum dämpfen könnte.

Ungeachtet dessen dürfte Europas größte Volkswirtschaft im zweiten Quartal so kräftig zugelegt haben wie seit Ende 2014 nicht mehr. Sowohl das Ifo-Institut als auch die Deutsche Bank rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,8 Prozent, nachdem es zu Jahresbeginn 0,6 Prozent waren. “Viele Indikatoren deuten auf ein wirklich starkes zweites Quartal”, sagte Ifo-Konjunkturexperte Timo Wollmershäuser. Das Statistikamt veröffentlicht am 15. August eine erste Schätzung.

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