February 7, 2020 / 8:04 AM / in 17 days

Produktion bricht ein - "Deutsche Wirtschaft Spielball der Weltkonjunktur"

Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft weckt mit einem Produktionseinbruch Erinnerungen an die Rezessionszeiten vor mehr als einem Jahrzehnt.

Containers are seen at a terminal in the port of Hamburg, Germany November 14, 2019. REUTERS/Fabian Bimmer

Industrie, Bau und Energieversorger stellten im Dezember zusammen 3,5 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Das war das dickste Minus seit Anfang 2009, als die globale Krise Deutschland mit voller Wucht erfasste. “Mit der schwachen Dezember-Produktion steigt das Risiko, dass die Wirtschaft zum Jahresende trotz anders lautender Hinweise des Statistischen Bundesamtes nur stagniert hat oder gar leicht gefallen ist”, befürchtet Volkswirt Ralph Solveen von der Commerzbank. Als kleiner Hoffnungsschimmer gilt jedoch, dass zumindest die Exporte im Dezember etwas zugelegt haben.

Der Industrieverband BDI rechnet allerdings auch 2020 mit viel Gegenwind. “Wir erwarten ein schwaches Wachstum der Weltwirtschaft von erneut nur drei Prozent”, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. “Eine deutliche Erholung bleibt aus.” Dennoch ist ein dünner Silberstreif aufgetaucht. Laut dem Münchner Ifo-Institut erwarten die deutschen Betriebe in den kommenden drei Monaten eine leichte Steigerung ihrer Produktion.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden hatte mit Blick auf die deutsche Konjunktur “Anzeichen einer leichten Erholung” ausgemacht, nachdem es im dritten Quartal in Deutschland nur zu einem mageren Plus von 0,1 Prozent gereicht hatte. Die offiziellen Daten für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal werden Ende nächster Woche veröffentlicht. Experten rechnen bisher damit, dass wie im Sommer nur ein Zuwachs von 0,1 Prozent herausspringt.

Doch diese Prognose steht nach den von Fachleuten als “grauenhaft” und “Desaster” beschriebenen Produktionszahlen vom Dezember auf tönernen Füßen. Ökonom Andreas Scheuerle von der DekaBank erwartet, dass die Wirtschaft zum Jahresende den Rückwärtsgang eingelegt hat und um 0,1 Prozent geschrumpft ist. Auch die vorläufige Destatis-Schätzung für das BIP-Wachstum 2019 von 0,6 Prozent wackelt nun laut Scheuerle. Womöglich müsse die Zahl nachträglich auf 0,5 Prozent heruntergesetzt werden, falls die Wirtschaftsentwicklung im Frühjahr und Sommer nicht doch besser gelaufen sei als bislang angenommen.

“Unter dem Strich wird der Außenhandel das Wirtschaftswachstum im Schlussquartal 2019 wohl nur wenig unterstützt haben”, sagt Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe voraus. Der globale Handelsstreit sei vorerst zwar beigelegt, das Coronavirus streue aber neuen Sand ins Exportgetriebe. “Die Daten machen nochmals eindrücklich klar, dass die deutsche Wirtschaft Spielball der Weltkonjunktur ist”, sagt Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank.

  Die Ausfuhren zogen im Dezember leicht um 0,1 Prozent zum Vormonat an. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet, nachdem es im November einen Rückgang um 2,2 Prozent gegeben hatte. Im Gesamtjahr 2019 legten die Exporte zum Vorjahr um 0,8 Prozent auf den Rekordwert von 1,327 Billionen Euro zu. “Allerdings verlor das Wachstum im Vergleich zu den Vorjahren an Dynamik”, erklärten die Statistiker.

“GEBRAUCHTES JAHR”

Der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) ist trotz des im vorigen Jahr erzielten Rekordwerts bei den Ausfuhren nicht zufrieden. “2019 war ein gebrauchtes Jahr für die deutsche Exportwirtschaft”, urteilt DIHK-Außenhandelsexperte Kevin Heidenreich. Neue Zölle, Unsicherheiten durch den Brexit und eine lahme Weltkonjunktur hätten das Geschäft der exportierenden Unternehmen ausgebremst.

Außenhandelspräsident Holger Bingmann zieht hingegen eine eher positive Bilanz. “Angesichts der zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen im Jahr 2019 zeigt sich der deutsche Außenhandel recht robust”, so die Einschätzung des Chefs des Branchenverbands BGA. Insbesondere die Zunahme bei den Einfuhren um 1,2 Prozent zeige deren weiterhin wachsende Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. “Mit dem vorliegenden Jahresabschluss können wir zufrieden sein.”

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