May 8, 2020 / 6:20 AM / 17 days ago

Stärkster Einbruch seit rund 30 Jahren bei Export und Tourismus

Aerial view of containers in a loading terminal of the harbour during the spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Bremerhaven, Germany April 24, 2020. REUTERS/Fabian Bimmer

Berlin (Reuters) - Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft branchenübergreifend mit voller Wucht.

Die Exporte brachen im März drastisch ein, und die Übernachtungen im Tourismus halbierten sich weitgehend, wie das Statistikamt am Freitag mitteilte. Die Rückgänge waren jeweils so stark wie seit Beginn der Datenerhebung Anfang der 1990er Jahre nicht mehr. “Das Geschäftsklima im deutschen Mittelstand ist weiterhin im freien Fall”, bilanzierte die KfW-Förderbank unter Berufung auf eine Firmen-Umfrage. Positive Signale für die Konjunktur nach den ersten Lockerungen sehen die Kieler IfW-Forscher: “Die deutsche Wirtschaft hat den schlimmsten Absturz hinter sich, und es zeichnet sich nun eine Bodenbildung auf niedrigem Niveau ab.”

Die gesamte Wirtschaft steht 2020 vor einer tiefen Rezession - darüber sind sich alle Fachleute einig. Die EU-Kommission sagt für Deutschland einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,5 Prozent voraus. Nun zeigt sich der Einbruch wegen der Ausgangs- und Kontaktsperren immer stärker in den Konjunkturdaten. So sanken die Ausfuhren im März um 11,8 Prozent zum Vormonat. Dies sei der “größte Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im August 1990”. Bei den Importen gab es mit 5,1 Prozent das größte Minus zum Vormonat seit Januar 2009. “Die hohe internationale Verflechtung der Wirtschaft wird dem Exportsektor in Corona-Zeiten zum Verhängnis”, sagte Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe und erwartet Schlimmeres. “Noch ist die Messe hier nicht gelesen.”

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die schwachen März-Zahlen als Vorboten für “noch stärkere Einschnitte in der deutschen Exportbilanz”. Denn die Coronakrise habe nicht nur China ökonomisch im Griff, sondern auch weitere wichtige Handelspartner wie Italien, Frankreich, Großbritannien und die USA. “Aktuell sorgen stillgelegte Produktionen, Grenzschließungen und Exportverbote für unterbrochene Lieferketten”, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. “Wir rutschen damit in eine Weltwirtschaftskrise.” Der DIHK rechne 2020 mit einem Rückgang der Ausfuhren von mindestens 15 Prozent. Der Exportverband BGA betonte: “In den kommenden Monaten werden wir uns an zweistellige Rückgänge gewöhnen müssen.”

“DIE UNTERNEHMEN MÖCHTEN JETZT ENDLICH WIEDER LOSLEGEN”

Aber nicht nur die Exporteure kommen derzeit unter die Räder. “Die in der zweiten Märzhälfte eingeführten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wie Kontaktverbote und umfangreiche angeordnete Geschäftsschließungen schlagen im April auf alle Branchen durch”, erklärte die KfW. Die Stimmung kleinerer und mittlerer Betriebe sei schlechter als auf dem Tiefpunkt der Finanzkrise 2009. Trotz weiterer Lockerungen bleibt die Lage der Unternehmen sehr kritisch, gab der DIHK unter Berufung auf eine Umfrage unter mehr als 10.000 Firmen bekannt. 60 Prozent der Betriebe leiden demnach weiter unter einer gesunkenen Nachfrage, 43 Prozent unter stornierten Aufträgen und mehr als ein Drittel müssen die Investitionen zurückschrauben.

Mit den Lockerungen Ende April nahm jede vierte dieser Firmen ihre Geschäfte wieder auf. “Die Unternehmen möchten jetzt endlich wieder loslegen und anpacken”, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. “Die Auflagen zum Gesundheitsschutz bedeuten für sie aber deutlich mehr Aufwand bei höheren Kosten und weniger Umsatz.”

Vor allem Tourismusbranche und Gastronomie leiden mit am stärksten unter den Ausgangs- und Kontaktsperren wegen der Virus-Pandemie und hoffen nun auf die Lockerungen. Wegen des seit Mitte März geltenden Beherbergungsverbots für privatreisende Gäste sank die Zahl der Übernachtungen im März auf 15,6 Millionen und damit um 53 Prozent. “Dies ist der mit Abstand stärkste Rückgang gegenüber einem Vorjahresmonat seit Beginn der Zeitreihe 1992”, erklärten die Statistiker. Damit liegt der Rückgang im ersten Quartal insgesamt bei 17 Prozent. Ein jähes Ende für den lange boomenden Tourismus in Deutschland: 2019 gab es das zehnte Jahr in Folge noch einen Übernachtungsrekord. Im Gastgewerbe droht laut Branchenverband Dehoga etwa jedem dritten Unternehmen derzeit die Pleite.

Wegen der Coronakrise will ein Drittel der Deutschen künftig seine Ausgaben einschränken. Während ein Viertel auf seinen geplanten Urlaub verzichtet, wollen etwa sieben Prozent den Kauf von Kleidung, Autos und Luxusgütern verschieben, ergab eine Umfrage der GfK-Marktforscher.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below