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Wirtschaftsnachrichten

Exporte wachsen 4. Monat in Folge - "Ungemütlicher Herbst steht bevor"

Containers are seen at a terminal in the port of Hamburg, Germany November 14, 2019. REUTERS/Fabian Bimmer

Berlin (Reuters) - Die deutschen Exporteure erholen sich stärker als erwartet vom Absturz in der Corona-Pandemie.

Ihre Ausfuhren stiegen im August bereits den vierten Monat in Folge, und zwar um 2,4 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hier nur mit einem Plus von 1,4 Prozent gerechnet. Die Dynamik lässt allerdings spürbar nach: Im Juli hatte es noch ein Wachstum von 4,7 Prozent gegeben, im Juni von 14,9 Prozent und im Mai von 9,0 Prozent. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt angesichts steigender Neuinfektionen in vielen Ländern vor schwierigen Monaten. “Ohne die Möglichkeit für Geschäftsreisen können vielfach Aufträge oder Investitionen nicht abgeschlossen werden”, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. “Ein ungemütlicher Herbst steht uns noch bevor.”

Im gerade beendeten Sommerquartal dürfte Europas größte Volkswirtschaft nicht nur dank der anziehenden Exporte ein Rekordwachstum schaffen: Experten rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von sieben bis neun Prozent, nachdem es im Frühjahr wegen der Pandemie mit 9,7 Prozent so stark eingebrochen war wie noch nie. Auch die Entwicklung der Importe spricht für ein starkes Comeback: Sie stiegen im August um 5,8 Prozent zum Vormonat und damit gut fünfmal so kräftig wie erwartet. “Das deutet auf eine anziehende Binnenwirtschaft hin”, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. “Das Zahlenwerk bestätigt einmal mehr, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal einen rekordhohen Zuwachs verbuchen wird.”

Bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird, dürfte aber noch einige Zeit ins Land gehen. Wegen der pandemiebedingten Rezession bei vielen wichtigen Handelspartnern blieben die Ausfuhren von Januar bis August ungeachtet der jüngsten Aufholjagd weit unter dem Vorjahresergebnis: Sie sanken um 12,7 Prozent auf 770,3 Milliarden Euro. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geht davon aus, dass im Gesamtjahr 2020 unterm Strich ein Minus von 13 Prozent herauskommen wird. “Neue Restriktionen aufgrund zunehmender Infektionen in vielen Ländern werden auch beim deutschen Export ihre Spuren hinterlassen”, warnte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer Risiken. “Der Brexit nimmt immer absurdere Züge an”, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, angesichts des drohenden Scheiterns eines Handelsabkommens zwischen der EU und Großbritannien. “Hier müssen wir uns gewiss darauf einstellen, dass der deutsche Außenhandel weitere Folgen spüren wird.”

Von der US-Präsidentenwahl am 3. November versprechen sich viele Experten keine Abkehr von der protektionistischen “Amerika zuerst”-Politik unter Amtsinhaber Donald Trump - auch wenn sein Herausforderer Joe Biden gewinnen sollte. “Wer auch immer die Wahl gewinnt, die transatlantischen Beziehungen werden nicht auf alte Pfade zurückkehren”, sagte Börner. “Wir können aber hoffen, dass der Umgang ein zivilisierter sein wird.” Trump hat zahlreiche Importzölle verhängt und damit Handelskonflikte befeuert. Die USA sind seit Jahren der wichtigste Abnehmer von Waren “Made in Germany”.

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