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Wirtschaftsnachrichten

Deutsche Produktion steigt nur leicht - "Schleppende Erholung"

Employees of German car manufacturer Porsche work on a chassis at the Porsche factory in Stuttgart-Zuffenhausen, Germany, February 19, 2019. Picture taken February 19, 2019. REUTERS/Ralph Orlowski

Berlin (Reuters) - Unerwarteter Dämpfer für die deutsche Wirtschaft: Die Unternehmen steigerten ihre Produktion im Juli nach den Corona-bedingten Einbrüchen zwar bereits den dritten Monat in Folge, allerdings weit weniger stark als erwartet.

Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,2 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings mit einem stärkeren Plus von 4,7 Prozent gerechnet. Im Juni hatte es noch ein Plus von 9,3 Prozent gegeben, im Mai von 7,4 Prozent.

“Von dem Corona-Einbruch sind damit noch nicht einmal 60 Prozent wieder aufgeholt worden”, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. “Es zeigt sich nun, dass die Erholung harte Arbeit ist.” Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) beklagte, die Erholung komme “nur schleppend voran”. “Die fehlende Nachfrage aus dem In- und Ausland verhindert, dass sich die Produktion schon in diesem Jahr wieder normalisiert”, sagte DIHK-Experte Kevin Heidenreich. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet dagegen mit einem anhaltenden Aufwärtstrend. “Die wieder bessere Stimmung in den Unternehmen und die gesunkene Kurzarbeit sprechen dafür, dass sich der Aufholprozess in den kommenden Monaten fortsetzt, wenngleich er noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte”, begründete es seinen Optimismus.

“GEOPOLITISCHE RISIKEN”

Trotz des unerwartet schwachen Starts in das Sommerquartal rechnen Ökonomen mit einem starken Wirtschaftswachstum. Die Commerzbank etwa hält ein Plus von neun Prozent beim Bruttoinlandsprodukt für möglich, nachdem es im Frühjahr einen Rekordeinbruch von 9,7 Prozent gegeben hatte. Allerdings bleiben große Risiken für Export-Europameister Deutschland. “Mit dem Anstieg der Infektionszahlen, der globalen Unsicherheit aufgrund der US-amerikanischen-chinesischen Streitigkeiten im Technologie-Bereich, den anstehenden Wahlen in den USA und anderen geopolitischen Risiken darf es nicht wunder nehmen, wenn sich die globale Investitionsstimmung eintrübt”, warnte etwa der Chefvolkswirt des Fondsanbieters DWS, Martin Moryson.

Die Industrie allein steigerte ihre Produktion zu Beginn der zweiten Jahreshälfte um 2,8 Prozent, während Bau und Versorger jeweils ein Minus meldeten. Sie hatte zuletzt drei Monate in Folge mehr Aufträge an Land gezogen, nachdem sie wegen der Corona-Rezession im In- und Ausland schwere Einbrüche verzeichnet hatte. In den kommenden Monaten erwartet die Industrie eine leichte Zunahme ihrer Produktion. Der entsprechende Ifo-Indikator stieg im August um 1,1 auf 15,4 Punkte. “Nach und nach kommt der Motor der deutschen Wirtschaft, die Industrie, wieder in Gang”, sagte der Leiter der Ifo-Befragungen, Klaus Wohlrabe. So rechnen die Maschinenbauer erstmals nach gut einem Jahr damit, dass sich ihre Produktion wieder ausweitet. Die Auto-Branche erwartet weiterhin ein Plus, ist aber nicht mehr ganz so optimistisch wie im Monat zuvor.

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