May 12, 2020 / 10:57 AM / 16 days ago

Rekordeinbruch bei deutschen Exporten in die USA erwartet

Aerial view of containers in a loading terminal of the harbor during the spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Bremerhaven, Germany April 24, 2020. REUTERS/Fabian Bimmer

Berlin (Reuters) - Die deutschen Exporteure befürchten wegen der Coronakrise einen Rekordeinbruch im Geschäft mit ihrem wichtigsten Kunden USA.

“Die deutschen Unternehmen erleben in den USA einen regelrechten Nachfragekollaps”, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. “Der Rückgang ist dort viel stärker als in anderen Ländern, nicht zuletzt weil das soziale Sicherungssystem dort relativ schwach ausgeprägt ist.” Binnen kurzer Zeit sind mehr als 30 Millionen Amerikaner arbeitslos geworden. “Da wird weniger ‘Made in Germany’ nachgefragt”, erläuterte Treier. Der DIHK rechnet deshalb damit, dass die Exporte in die USA 2020 um fast 20 Prozent einbrechen werden. Das wäre ein “nie dagewesener Rückgang”, ergänzte Treier. “Reisebeschränkungen und eine restriktive Visa-Vergabe tragen ebenfalls dazu bei.”

Die USA sind seit Jahren der wichtigste deutsche Kunde vor Frankreich und China. 2019 wurden Waren im Wert von 118,7 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten exportiert, die weltweit die meisten Corona-Infizierten und Todesopfer zählen. Im ersten Quartal 2020 sanken die Ausfuhren dorthin nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 1,1 Prozent auf knapp 29 Milliarden Euro.

“MEHRHEIT DER FIRMEN IN CHINA WIEDER LIEFERFÄHIG”

Bei den Exporten nach China rechnet der DIHK fürs laufende Jahr mit einem Rückgang um rund zehn Prozent. “Hier haben wir die wirtschaftliche Talsohle durchschritten”, sagte Treier. “70 bis 80 Prozent der deutschen Unternehmen dort sind wieder produktions- und lieferfähig.” Probleme mit den Lieferketten würden den Weg nach oben aber holprig gestalten. Reisebeschränkungen behinderten zudem eine reibungslose Rückkehr von Firmenlenkern und Mitarbeitern. “Das Aufstellen von Maschinen und deren Wartung durch Ingenieure – all das klappt längst nicht reibungslos”, sagte der Experte. “Das wird vor allem für die deutschen Maschinenbauer zum Problem.” Fast jedes zweite deutsche Unternehmen in China habe Investitionen verschoben oder ganz storniert.

Der nicht beigelegte Handelskonflikt und politische Zwist zwischen den USA und China fällt Treier zufolge “in diesem Jahr kaum ins Gewicht angesichts der dramatischen negativen Konjunkturentwicklung durch die Pandemie”. “Der Handelskonflikt ist aber strukturell äußerst problematisch”, sagte der DIHK-Experte. “Er kann später die Rückkehr zur Normalität erheblich behindern.” Die beiden weltgrößten Wirtschaftsmächte hatten sich bis ins vergangene Jahr gegenseitig mit Strafzöllen überzogen, was den Welthandel bremste.

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