April 26, 2018 / 11:20 AM / a month ago

Verteidiger fordern maximal zehn Jahre Haft für Zschäpe

München (Reuters) - Die mutmaßliche NSU-Extremistin Beate Zschäpe soll nach den Vorstellungen ihrer beiden Wunschverteidiger für maximal zehn Jahre ins Gefängnis kommen.

Defendant Beate Zschaepe (R), accused of helping to found a neo-Nazi cell called the National Socialist Underground (NSU), awaits continuation of her trial at a courtroom in Munich, Germany January 31, 2018. REUTERS/Michaela Rehle

Hermann Borchert und Mathias Grasel forderten am Donnerstag vor dem Münchner Oberlandesgericht, die 43-Jährige nicht wegen Beihilfe oder gar einer Mittäterschaft an den Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zu verurteilen. Der Hauptangeklagten im NSU-Prozess seien nur besonders schwere Brandstiftung sowie Beihilfe zu mehreren Raubüberfällen ihrer Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zur Last zu legen, erklärten die beiden zum Ende ihres dreitägigen Plädoyers. Zschäpe hatte nach dem Selbstmord von Mundlos und Böhnhardt ihre Wohnung in Zwickau angezündet. Sie sitzt seit November 2011 in Untersuchungshaft.

Die Bundesanwaltschaft hatte bereits im Sommer lebenslange Haft gefordert. Sie hält Zschäpe für mitverantwortlich für die Mordserie aus rechtsextremen Motiven, die die Gruppe um Mundlos und Böhnhardt begangen hatte. Zschäpe habe sich als Mitglied einer terroristischen Vereinigung des zehnfachen Mordes, mehrerer Mordversuche durch zwei Bombenanschläge und mehrerer Raubüberfälle schuldig gemacht. Sie sei zwar nicht an den Tatorten gewesen, habe aber im Hintergrund mitgewirkt. Die meisten Opfer waren türkischer und griechischer Abstammung. Zschäpes Anwalt Grasel sagte, sie habe nie einer terroristischen Vereinigung angehört - wenn der NSU je eine solche gewesen sei.

“DEN LETZTEN BEISSEN DIE HUNDE”?

Nach Ansicht der beiden Anwälte kann der Hauptangeklagten weder eine Mittäterschaft an den NSU-Morden noch Beihilfe nachgewiesen werden. “All diese Verbrechen wurde allein von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos begangen”, sagte Grasel. Weder die gemeinsame Wohnung noch das Bezahlen von Rechnungen für die Gruppe oder die Beschaffung von Mobiltelefonen sei Beihilfe zu den Morden. Zschäpe habe keinen Schuss abgegeben und nichts von den Plänen ihrer Freunde mitbekommen. “Nach dem Motto ‘Den letzten beißen die Hunde’ meine Mandantin als letzte Überlebende für die Taten der beiden Männer verantwortlich zu machen, darf nicht geschehen.”

Mundlos und Böhnhardt hatten sich bei ihrer Enttarnung das Leben genommen. “Der Rechtsstaat wird es aushalten müssen, dass es Verbrechen gibt, für die die eigentlichen Täter nicht mehr belangt werden können”, sagte Grasel.

Der NSU-Prozess gegen insgesamt fünf Angeklagte, der vor fast fünf Jahren begann, geht nun auf die Zielgerade. Er ist einer der umfangreichsten der deutschen Geschichte. Bis zu einem Urteil kann es noch Wochen dauern. Als nächstes werden die Plädoyers der drei Verteidiger erwartet, mit denen sich Zschäpe überworfen hatte. Das OLG lehnte deren Absetzung ab, gewährte ihr aber im Prozessverlauf Borchert und Grasel als zusätzliche Verteidiger. Danach folgen die Plädoyers der Anwälte von vier als NSU-Helfer und -Unterstützer mitangeklagten Männern. Sie sollen nach dem Willen der Bundesanwaltschaft zwischen drei und zwölf Jahre hinter Gitter kommen.

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