October 9, 2014 / 1:18 PM / 5 years ago

Forschungsinstitute kritisieren EZB-Maßnahmen gegen Kreditklemme

A huge euro logo is pictured next to the headquarters of the European Central Bank (ECB) before the bank's monthly news conference in Frankfurt August 7, 2014. The European Central Bank left interest rates unchanged on Thursday, holding off fresh policy action as it prepares to launch fresh funding for banks next month that it hopes will lift inflation from rock-bottom levels. REUTERS/Ralph Orlowski (GERMANY - Tags: BUSINESS POLITICS)

Berlin (Reuters) - Die führenden deutschen Forschungsinstitute sehen die EZB im Kampf gegen die Kreditklemme auf einem gefährlichen Kurs.

Die Experten stoßen sich in ihrem am Donnerstag vorgelegten Herbstgutachten besonders an den Ausnahmen bei dem geplanten Ankaufprogramm für Kreditverbriefungen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat entschieden, auch Ramschpapiere der Krisenstaaten Griechenland und Zypern erwerben zu wollen.

“Die Institute bewerten eine solche Politik der EZB kritisch”, heißt es in dem Gutachten. Eine Altlastenbereinigung der Bankbilanzen durch die Geldpolitik konterkariere die Bemühungen im Zuge der Bankenunion, dass Eigentümer und Gläubiger im Krisenfall Verluste tragen sollten. Zudem gebe die EZB den Banken damit indirekt einen Anreiz, künftig noch riskantere Finanzgeschäfte zu machen.

Die EZB will noch dieses Jahr damit beginnen, Kreditverbriefungen - sogenannte ABS - und Pfandbriefe zu kaufen. Mit ABS-Papieren können Banken Kredit-Risiken bündeln, aus der Bilanz auslagern und am Markt damit handeln. Idealerweise haben sie dann mehr Mittel frei, um neue Darlehen zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln.

Zur Einschätzung der Wirkung des Ankaufprogramms für Kreditverbriefungen fehlten Erfahrungswerte, räumen die Institute ein. Solange aber nur Tranchen mit höchster Bonität an die EZB verkauft werden könnten, dürfte der Umfang des dabei freigesetzten Eigenkapitals aus ihrer Sicht eher gering sein. Die EZB werde womöglich in Versuchung geraten, auch riskantere Tranchen zu kaufen, um dem Programm mehr Schlagkraft zu verleihen, warnen die Forscher.

Insgesamt sehen sie die EZB am Ende ihrer Möglichkeiten, die Konjunktur geldpolitisch anzukurbeln. Die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front bestehe allerdings nicht. Vieles deute daraufhin, dass die Inflation im Zuge der erwarteten Konjunkturerholung wieder anziehen werde. Die Institute schätzen den Preisanstieg im Euro-Raum in diesem Jahr auf 0,5 und im kommenden Jahr auf 0,7 Prozent, womit das Ziel der EZB von knapp zwei Prozent allerdings klar verfehlt würde. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei nur noch 0,3 Prozent. Auf breiter Front fallende Preise können die Konjunktur auf Dauer abwürgen. Denn Verbraucher schränken dann in Erwartung immer weiter fallender Preise ihren Konsum ein und Firmen schieben Investitionen auf.

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