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Fachkräftelücke wird zur Bedrohung für die Wirtschaft
30. August 2017 / 08:51 / vor 3 Monaten

Fachkräftelücke wird zur Bedrohung für die Wirtschaft

Berlin (Reuters) - Die Fachkräftelücke wächst sich zum dominierenden Problem für die Sicherung von Wohlstand und Wachstum in Deutschland aus.

Construction workers prepare concrete formworks in front of the TV tower in Berlin, Germany, August 10, 2017. REUTERS/Hannibal Hanschke

Die Bundesregierung sieht hier trotz Fortschritten bei der Mobilisierung von Erwerbstätigen großen Handlungsbedarf, wie aus einem am Mittwoch vorgelegten Bericht hervorgeht. Das Beratungsunternehmen Prognos sagte voraus, dass bis 2030 etwa drei Millionen Fachkräfte fehlen dürften, 2040 seien es dann rund 3,3 Millionen. Arbeitsministerin Andrea Nahles betonte: “Die Herausforderung bleibt riesengroß.” Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer warnte vor Gefahren für Beschäftigung und Wachstum, wenn nicht zügig gegengesteuert werde.

Belege für den ungünstigen Trend liefert die aktuelle Ausbildungsentwicklung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ging die Zahl der Auszubildenden im vergangenen Jahr zum wiederholten Male zurück. Nur noch knapp 510.000 Jugendliche schlossen Ausbildungsverträge ab, 1,3 Prozent weniger als 2015. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, bezifferte den Anteil der Unternehmen, die Problemen bei der Besetzung von Stellen haben, auf 37 Prozent. Die Arbeitslosenquote von beruflich Qualifizierten sei in den vergangenen zehn Jahren um fast 50 Prozent gesunken. Zugleich spürten die Betriebe die rückläufigen Lehrlingszahlen. “Den Unternehmen fällt es zunehmend schwer, geeignete Kandidaten mit dualer Ausbildung zu finden”, erklärte der DIHK.

“LAGE WIRD SICH MASSIV VERSCHÄRFEN”

“Die Potenziale am Arbeitsmarkt müssen noch konsequenter genutzt werden”, forderte Arbeitgeberpräsident Kramer. Das gelte auch bei der Anwerbung von Talenten aus dem Ausland. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeifer, sagte, eine bis 1,5 Millionen Menschen in Deutschland seien aus den verschiedensten Gründen noch nicht in den Arbeitsmarkt integriert. “Wir wünschen uns, dass jeder Unternehmer in den nächsten vier Jahren einen dieser Menschen an die Hand nimmt und aktiviert”, erklärte der CDU-Politiker. Grünen-Fraktionsvize Kerstin Andreae warf der Bundesregierung vor, sie habe nicht rechtzeitig gegengesteuert, um den Fachkräftemangel zu dämpfen.

Prognos-Chef Christian Böllhoff sagte, die Lage werde sich auf mittlere Sicht massiv verschärfen, und zwar über alle Branchen hinweg. “Es werden sowohl Arbeitskräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung als auch solche mit Hochschulabschluss fehlen.” Unqualifizierten Arbeitnehmern drohe verstärkt die Arbeitslosigkeit.

Die Bundesregierung sieht immerhin Fortschritte. “Wir sind bei der Fachkräftesicherung gut vorangekommen”, sagte Nahles. Die Anstrebungen müssten aber in vielen Feldern verstärkt werden. So gehe es darum, noch mehr Frauen die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen sowie mehr in Bildung und Weiterbildung zu investieren.

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