September 15, 2008 / 3:31 PM / 11 years ago

Experten: Finanzkrise trifft Deutschland vor allem beim Export

Berlin (Reuters) - Deutsche Firmen dürften die Finanzmarktkrise nach Einschätzung von Experten vor allem beim Export-Geschäft spüren.

“Wir haben uns nicht ganz abkoppeln können von der US-Konjunktur. Das wirkt über Exporte und über Stimmungseffekte”, sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel am Montag zu Reuters. “Ich glaube, wir werden die Auswirkungen der US-Konjunktur merken.” Auch Jürgen Michels von der Citigroup sieht die jüngsten Turbulenzen um die US-Investmentbanken Lehman Brothers und Merrill Lynch sowie den einst weltgrößten Versicherer AIG als Zeichen, “dass uns die Finanzkrise noch lange beschäftigen wird”.

In Deutschland und der Euro-Zone müsse man sich in den nächsten vier bis fünf Jahren auf unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum einstellen, sagte Michels, bei der Citigroup Chefvolkswirt für Deutschland und Euroland. “Wenn der Rest der Welt nicht mehr so viel bestellt, spüren das die Firmen. Über den Export kommt der Gegenwind.” Für die nachlassende globale Nachfrage könne der seit langem schwächelnde private Konsum nicht in die Bresche springen. “Auf ziemlich lange Zeit werden wir ein schwaches Wachstum haben.” Eine Rezession sei weder für die heimische Wirtschaft noch für den Währungsraum ausgeschlossen.

Die Finanzkrise erreichte zu Wochenbeginn einen Höhepunkt, da die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers einen Antrag auf Gläubigerschutz stellte und der Konkurrent Merrill Lynch an die Bank of America andocken musste. Weltweit gingen die Börsen auf Talfahrt, die Commerzbank sprach von einem “Schwarzen Montag” für US-Banken. Aber neben Michels und Bargel betonte auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, dass es deutsche Kreditinstitute nicht so hart treffe. “Die Nachrichten aus den USA sind nicht gut. Unsere Banken sind aber besser aufgestellt”, sagte Glos in München. “Vor allen Dingen ist es auch so, dass unsere Wirtschaft inzwischen besser finanziert ist als in der Vergangenheit.” Glos räumte jedoch ein, dass Deutschland unter einer nachlassenden globalen Nachfrage leiden könnte.

Insbesondere spanische Banken verschärften zuletzt ihre Konditionen für Immobilienkredite, die danach auch deutlich zurückgingen, wie Michels sagte. Nun müsse man abwarten, wie sich die Unternehmenskredite entwickelten. Hier zeichne sich eine Eintrübung in Ländern wie Spanien, Frankreich und Italien ab. Deutschland sei zwar bisher von einer solchen Entwicklung ausgenommen, habe aber viel in diese Länder exportiert. “Die deutschen Unternehmen trifft es eher über die Exportkanäle.”

Im ersten Halbjahr kletterten die deutschen Exporte um 6,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Dabei legten sowohl das Geschäft mit den Handelspartnern in der Euro-Zone (plus 3,9 Prozent) als auch das mit den USA (plus 2,5 Prozent) unterdurchschnittlich zu. Impulse kamen vor allem vom Export in Länder wie China, Russland, Indien und Brasilien. Für das Gesamtjahr erwartet die Branche ein Plus von sechs Prozent, das sich wegen der Finanzkrise 2009 aber auf rund vier Prozent abschwächen dürfte.

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