July 24, 2008 / 3:33 PM / 10 years ago

FOKUS 3-Daimler legt Rückwärtsgang ein - Auto-Aktien im Keller

(neu: weitere Details aus Telefonkonferenz)

- von Hendrik Sackmann -

Stuttgart, 24. Jul (Reuters) - Daimler(DAIGn.DE) rechnet 2008 mit einem Gewinneinbruch und zollt damit den düsteren Konjunkturaussichten als erster europäischer Hersteller Tribut. Preisschübe bei Rohstoffen, die sich abkühlende Weltwirtschaft und ungünstige Wechselkurse könnten durch höhere Verkaufszahlen und eine verbesserte Effizienz nicht mehr wettgemacht werden, räumte Daimler am Donnerstag in Stuttgart ein. Mit dem geplanten Jahresgewinn vor Steuern und (Ebit) von gut sieben Milliarden Euro wird der Oberklasse-Hersteller die Vorjahresmarke von 7,7 Milliarden Euro nicht einmal annähernd erreichen.

Anleger zogen die Reißleine und schickten die Daimler-Aktien um zehn Prozent auf 38 Euro in den Keller. Damit verlor der Konzern nach Reuters-Daten 4,7 Milliarden Euro an Wert und wird an der Börse mit weniger als 40 Milliarden Euro bewertet. Trotzdem sieht Vorstandschef Dieter Zetsche Daimler nicht als Übernahmekandidaten. Er habe Abwehrmaßnahmen in der Schublade. Die hohen Barmittel will er weiter in Aktienrückkäufe stecken. Analysten raten davon angesichts der unsicheren Lage ab. “Es ist jetzt die Rede von einer Verlangsamung des weltweiten Wachstums. Das sieht alles andere als gut aus”, sagte ein Händler.

Auch andere Auto-Aktien mussten büßen, der Branchenindex.SXAP verlor fünf Prozent. Die am Mittwoch von den Massenherstellern VW(VOWG.DE), FiatFIA.MI und Peugeot (PEUP.PA) noch beflügelte Hoffnung auf weiterhin gute Geschäfte der Autoindustrie verflog schlagartig. Aus den USA schickte Ford(F.N) mit einem Quartalsverlust von 8,7 Milliarden Euro ein weiteres Alarmsignal. Der japanische Autobauer Toyota(7203.T) hatte bereits im Mai sinkende Verkaufszahlen und schrumpfende Gewinne prognostiziert.

GEWINNPROGNOSE IST MAKULATUR

Daimler hatte bislang gehofft, sich mit seinen teuren Automobilen von der Konjunktur abzukoppeln. “Der Kurs ist klar. Daimler gibt Gas”, hatte Konzernchef Dieter Zetsche im Februar gesagt. Nach nunmehr zwei Quartalen mit Gewinneinbußen ist das geplante Gewinnplus Makulatur. “Der Markt ist herausfordernder geworden”, gestand Zetsche am Donnerstag ein. Finanzchef Bodo Uebber sagte, die bisher für 2008 zusätzlich veranschlagten Kosten von 500 Millionen Euro beim Einkauf reichten nicht mehr aus. 2009 würden die Belastungen durch die Rohstoffpreise noch höher.

Beim Umsatz traut sich Daimler in diesem Jahr nur noch ein leichtes Plus zum Vorjahreswert von 99,4 Milliarden Euro zu, da der Export nach Großbritannien, Nordamerika und Asien durch den starken Euro immer weniger einbringt. In Südeuropa schrumpft der Autoabsatz rapide.

In den Monaten von April bis Juni sank der Überschuss des nach VW zweitgrößten deutschen Konzerns auf 1,4 Milliarden Euro von 1,85 Milliarden Euro vor Jahresfrist. Der operative Gewinn (Ebit) schrumpfte um 3,7 Prozent auf 2,05 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich um sechs Prozent auf 25,4 Milliarden Euro.

Vor allem in der Kernsparte Mercedes-Benz Pkw läuft es nicht mehr so rund. Der Betriebsgewinn stagnierte weitgehend trotz deutlicher Absatzzuwächse im ersten Halbjahr, da mehr Geld für umweltfreundlichere Antriebe ausgeben wurde. Die 2007 auf ein Rekordniveau von 9,1 Prozent gestiegene Pkw-Gewinnmarge wird in diesem Jahr auf acht Prozent sinken. Die für 2010 angepeilten zehn Prozent will Zetsche dennoch erreichen. Um nicht auf Halde zu produzieren, wird die Produktion der E-Klasse gedrosselt, bis 2009 die nächste Modellgeneration kommt.

Alles andere als rosig sind auch die Aussichten bei Lkw. Einen Aufschwung im wichtigen US-Lkw-Markt erwartet Daimler nun erst Ende 2008 oder Anfang 2009. Die schwächere US-Konjunktur hat die Nachfrage dort zum Erliegen gebracht. Der Gewinn der Truck-Sparte wird daher - entgegen den bisherigen Erwartungen - schrumpfen. Auch der zwei Jahre währende Boom im europäischen Nutzfahrzeuggeschäft geht voraussichtlich nächstes Jahr zu Ende.

Als Klotz am Bein erweist sich der US-Autobauer Chrysler, der Daimler noch zu 20 Prozent gehört. Dessen Verlust schlug im Quartal bei Daimler anteilig mit 356 Millionen Euro zu Buche.

sac/axh

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