April 29, 2008 / 1:23 PM / in 11 years

Deutsche Bank wagt nach Verlust keine Prognosen mehr

Frankfurt (Reuters) - Milliardenabschreibungen wegen der Finanzkrise haben die Deutsche Bank erstmals seit fünf Jahren in die roten Zahlen geführt.

Am härtesten traf es im ersten Quartal das sonst hochrentable Investmentbanking: Hier musste Vorstandschef Josef Ackermann die größten Verluste seiner sechsjährigen Amtszeit verschmerzen. Auch die Aussichten für das von dem Schweizer ausgebaute Kerngeschäft sind wenig rosig, wegen der Marktturbulenzen brechen die Erträge weg. Dies zwingt die Bank zur Bescheidenheit: Sie kassierte angesichts des unsicheren Umfelds am Dienstag endgültig ihre Ergebnisziele für dieses Jahr.

Der Verlust vor Steuern lag trotz geringerer Rückstellungen für die Boni der Investmentbanker in den ersten drei Monaten bei 254 Millionen Euro. Die Abschreibungen waren mit 2,7 Milliarden Euro noch etwas höher als angekündigt. Zuwächse im Privatkundengeschäft konnten das nicht wettmachen. Vor einem Jahr hatte die Deutsche Bank noch mehr als drei Milliarden Euro verdient.

“Im ersten Quartal war die Lage an den Finanzmärkten so schwierig wie noch nie zuvor in der jüngeren Geschichte. Im März nahm der Druck auf den Bankensektor das bisher größte Ausmaß seit Ausbruch der Finanzmarktkrise an”, erklärte Ackermann die roten Zahlen. Ohne den Verkauf von Beteiligungen, der fast eine Milliarde Euro einbrachte, wäre der Verlust von Deutschlands größtem Geldhaus noch größer ausgefallen.

Die seit fast zehn Monaten andauernden Turbulenzen an den Finanzmärkten schlagen bei der Deutschen Bank insgesamt schon mit rund fünf Milliarden Euro negativ zu Buche. Die Hauptlast schultert sie im Geschäft mit fremdfinanzierten Übernahmen. Die dafür bereitgestellten Kredite an Finanzinvestoren finden keine Käufer und müssen daher abgeschrieben werden. Zuletzt mehrten sich aber Signale für eine Entspannung dieser Märkte. Im April habe das Institut Kreditpakete über 1,4 Milliarden Euro verkauft, sagte Finanzvorstand Anthony di Iorio. Insgesamt hatte das Geldhaus per Ende März noch Kredite und Kreditzusagen dieser Art über gut 33 Milliarden Euro in den Büchern.

ACKERMANN WIRD KLEINLAUTER

Konkurrenten der Deutschen Bank in den USA und der Schweiz wie die UBS mussten deutlich höhere Belastungen und Verluste verschmerzen als die Deutsche Bank. Sie mussten zudem Milliarden bei Investoren einsammeln, um die dünner gewordene Kapitaldecke zu stärken. Die Deutsche Bank hat das Analysten zufolge nicht nötig. Sie steht mit einer Kernkapitalquote von 9,2 Prozent recht gut da. Anders als etwa bei der Citigroup stehe auch kein größerer Stellenabbau an, sagte di Iorio.

Ackermann, der die Krise für die Bank Ende 2007 weitgehend abgehakt hatte, ist inzwischen weniger forsch. Zwar gebe es im April erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Märkte, aber die Lage bleibe angespannt. Di Iorio betonte, die Bank gebe keine konkreten Prognosen für dieses Jahr mehr ab. Lange hatte er einen Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, diese “Vision” aber zuletzt bereits infrage gestellt. Analysten erwarten längst deutlich weniger.

Die Quartalsergebnisse lagen im Rahmen der Erwartungen. Die Aktien der Deutschen Bank verloren in einem schwächeren Umfeld 0,5 Prozent. Experte Christopher Wheeler von Bear Stearns geht davon aus, dass bei den Abschreibungen das Schlimmste vorbei sei. Nun müsse die Deutsche Bank zeigen, dass sie wieder Erträge erwirtschaften könne. “Dabei könnte sich die starke Abhängigkeit vom Anleihegeschäft als Achillesferse herausstellen”, sagte er.

Allein im Investmentbanking schrieb die Bank im Quartal einen Vorsteuerverlust von 1,6 Milliarden Euro. Vor einem Jahr, im Boom an den Märkten, hatte noch ein Gewinn von 2,2 Milliarden Euro in den Büchern gestanden. Die Einnahmen brachen auf 880 Millionen Euro ein - auch wegen drastischer Einbußen im Handel mit strukturierten Anleihen. Um die Krise abzufedern, will Ackermann unter anderem den Rohstoff-Handel und das Engagement in Wachstumsmärkten verstärken. das Privatkundengeschäft soll ausgebaut werden - auch mit Hilfe von Übernahmen, etwa der Postbank.

- Philipp Halstrick -

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