October 1, 2008 / 5:53 PM / 11 years ago

Deutsche Bank muss um Expansion in Niederlanden bangen

Frankfurt/Amsterdam (Reuters) - Die Deutsche Bank muss um ihre geplante Expansion am niederländischen Firmenkundenmarkt bangen.

Die dortige Zentralbank will den Verkauf von Teilen der zum angeschlagenen Finanzkonzern Fortis gehörenden ABN Amro an das größte deutsche Geldhaus vorerst nicht genehmigen. Hintergrund ist die Krise des belgisch-niederländischen Instituts und die sich daraus ergebende Unsicherheit über die ABN-Zukunft. Wie Fortis in der Nacht zu Mittwoch mitteilte, stoppten die Bankaufseher bis auf weiteres auch andere Anteilsverkäufe des Konzerns etwa von Teilen der Vermögensverwaltung an den chinesischen Versicherer Ping An.

Die Notenbank will die Transaktionen nun nochmals genauer prüfen, wie Fortis mitteilte. Der Konzern musste zu Wochenbeginn mit einer Kapitalspritze der Benelux-Regierungen über mehr als elf Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Eine Auflage des Hilfspakets ist, dass sich Fortis komplett von dem erst 2007 für 24 Milliarden Euro erworbenen Anteil am ehemaligen Rivalen ABN Amro trennt. An diesem Deal hatte sich der mittlerweile teilweise verstaatlichte Konzern verhoben. Noch ist unklar, wer den Anteil übernimmt.

Fortis, die britische Royal Bank of Scotland und die spanische Santander hatten ABN Amro im vergangenen Jahr für rund 70 Milliarden Euro übernommen und unter sich aufgeteilt. Aus kartellrechtlichen Gründen verlangte die EU-Kommission damals von Fortis, Teile von ABN Amro abzugeben. Die Deutsche Bank einigte sich im Juli mit Fortis für 700 Millionen Euro auf den Kauf von zwei Unternehmensbereichen, zu denen 35.000 Firmenkunden, 8000 Privatkunden und 1400 Mitarbeiter gehören. Das Institut will damit zur viertgrößten Mittelstandsbank in den Niederlanden aufsteigen. Ursprünglich sollte der Deal zu Beginn des vierten Quartals abgeschlossen sein. Während die niederländische Zentralbank zögert, genehmigte die EU-Kommission den Kauf. Der Wettbewerb in Europa werde davon nicht beeinträchtigt, erklärte die Kommission.

Der Zukauf der Deutschen Bank war bei Branchenexperten auf sehr positives Echo gestoßen. Die Rede war von einem Schnäppchen, da der Kaufpreis von rund 300 Millionen Euro unter dem Nettowert der ABN-Teile liegt. “Wenn die Transaktion platzen sollte, wäre das äußerst schade für die Deutsche Bank”, sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Es sei aber wahrscheinlicher, dass die Notenbank lediglich mehr Zeit brauche, um die wirre Lage zu prüfen. Einen grundsätzlichen Einwand gegen die Übernahme könne es eigentlich nicht geben. Die Deutsche Bank äußerte sich nicht dazu.

Der frühere Fortis-Vorstand Maurice Lippens hatte im August der EU-Kommission vorgeworfen, durch ihren Zeitdruck die Verhandlungsposition des Konzerns beim Verkauf der ABN-Teile geschwächt zu haben. Die EU-Wettbewerbsbehörde hat dies zurückgewiesen.

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