July 25, 2008 / 1:12 PM / 12 years ago

Infineon streicht jede fünfte Stelle in Deutschland

München (Reuters) - Der mit Verlusten kämpfende Halbleiterkonzern Infineon verschärft seinen Sparkurs und streicht in Deutschland jede fünfte Stelle.

Weltweit wolle der Vorstand 3000 der insgesamt 30.000 Arbeitsplätze binnen eines Jahres abbauen, sagte Infineon-Chef Peter Bauer am Freitag in einer Telefonkonferenz. 2000 davon sollen in Deutschland wegfallen, wo derzeit 10.000 Menschen für das Unternehmen arbeiten. Mit dem Sparprogramm, das vor allem die Standorte München und Regensburg trifft, werde Infineon die Kosten jährlich um 200 Millionen Euro senken. Infineon wolle nun zunächst die Belegschaft über Abfindungsangebote reduzieren. Ab Oktober seien aber auch Kündigungen nicht mehr auszuschließen.

Bei der IG Metall stieß der Schritt auf scharfe Kritik. Bezirkschef Werner Neugebauer bezeichnete die Pläne als “Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten”. “Eine schier endlose Serie von Managementfehlern hat Infineon in die schwerste Krise der Unternehmensgeschichte geführt, ausbaden sollen das jetzt wieder einmal die Beschäftigten”, sagte er. Bei den Börsianern kamen die Nachrichten hingegen gut an: Die Infineon-Aktie legte bis Freitagmittag gut drei Prozent auf 4,98 Euro zu.

TOCHTER QIMONDA LASTET AUF INFINEON

Infineon hatte im abgelaufenen Quartal weiterhin unter Verlusten in seiner Telekommunikationschipsparte und vor allem unter Abschreibungen auf die Anteile an seiner verlustreichen Speicherchiptochter Qimonda zu leiden. Unter dem Strich sei ein Fehlbetrag von 592 Millionen Euro geblieben, teilte das Unternehmen mit. Im Kerngeschäft ohne die Tochter verdoppelte Infineon sein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) auf 71 Millionen Euro. Allerdings verdankte das Unternehmen das Plus vor allem dem Erlös aus dem Verkauf seines Festplattenchipgeschäfts von 41 Millionen Euro.

Das Verhältnis von Umsatz zu operativem Gewinn (Ebit) stimme noch nicht, sagte Bauer. “Letztlich ist die Ebit-Marge zu niedrig, um unsere Kapitalkosten zu verdienen.”. Die Kosten für das Kapital bezifferte Bauer auf zwölf Prozent. Der Umsatz schrumpfte um zwei Prozent auf 1,03 Milliarden Euro. Qimonda, von der sich Infineon händeringend und bislang erfolglos zu trennen versucht, lastet weiter auf dem Mutterkonzern. Finanzchef Marco Schröter wertete die Beteiligung, die seit Geschäftsjahresbeginn Verluste von gut 1,4 Milliarden Euro angehäuft hat, erneut um 411 Millionen Euro ab. Der Kurs der Qimonda-Aktie war seit dem Börsengang vor zwei Jahren immer weiter gefallen. Zudem verschärft sich die Situation bei der Tochter immer mehr. Im vergangenen Quartal rutschte der Hersteller von DRAM-Chips erstmals netto in eine Schuldenposition. Und die Refinanzierungschancen werden angesichts der hohen Verluste immer schmaler. Qimonda-Finanzchef Michael Majerus setzt zur Stabilisierung seiner Bilanz auf den Verkauf von Unternehmensanlagen, die dann gemietet werden.

AUSSICHTEN NICHT ROSIG

Infineon-Chef Bauer sieht die Entwicklung in den Kernbereichen Auto- und Industriechips sowie Telekommunikationshalbleiter nicht gerade rosig: Im laufenden Quartal werde der operative Gewinn trotz leicht steigender Umsätze stagnieren oder zurückgehen. Zudem schlügen die Kosten für die Abfindungen zu Buche. Allerdings könne sich Infineon der US-Autokrise weitgehend entziehen und die wegfallenden Einnahmen mit Umsätzen aus Europa und Asien kompensieren.

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