March 26, 2008 / 6:12 PM / 11 years ago

Lidl-Management ließ Mitarbeiter ausspähen

Düsseldorf (Reuters) - Der Lebensmittel-Discounter Lidl soll Mitarbeiter nach einem Magazin-Bericht systematisch überwacht haben.

Beschäftigte seien mit Hilfe von Kameras ausgespäht worden, berichtete das Magazin “Stern” am Mittwoch. Dem Blatt lägen mehrere Hundert Seiten interner Protokolle vor, in denen genau notiert sei, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gingen oder wer möglicherweise mit wem ein Liebesverhältnis habe. “Wir haben keine Mitarbeiter ausspioniert”, sagte dagegen Lidl-Geschäftsleitungsmitglied Jürgen Kisseberth.

In Baden-Württemberg kündigte das Innenministerium eine datenschutzrechtliche Überprüfung an. Die Gewerkschaft Verdi warf Lidl vor, mit seiner Praxis gegen das Grundgesetz verstoßen zu haben. Auch Politiker von Union und SPD geißelten in scharfen Worten den Discounter.

Kisseberth zufolge schaltete Lidl zwei Detekteien ein, um durch Diebstahl verursachte “Inventurverluste” zu vermeiden. Dies sei eine “handelsübliche Maßnahme”. Die beiden Detekteien hätten aber nicht den Auftrag gehabt, Mitarbeiter auszuspähen. Lidl werde nun generell nicht mehr mit Detekteien zusammenarbeiten, kündigte er an. Etwaige Daten, die von Detektiven über Mitarbeiter gesammelt worden seien, würden nicht verwendet. Ein Bespitzeln von Mitarbeitern sei “nicht gewollt”.

Dem “Stern” zufolge funktionierte die Überwachung immer nach dem gleichen Schema: Detektive hätten in Filialen Miniaturkameras installiert, um nach eigenen Angaben Ladendieben nachzuspüren. Die Detektive hätten dann aber auch ihre genauen Beobachtungen der Lidl-Mitarbeiter notiert.

VERDI: RECHTSSTAATS WIRD MIT FÜSSEN GETRETEN

Der Verdi-Handelsexperte Achim Neumann sagte dem MDR, was Lidl gemacht habe, dürfe man nicht hinnehmen. “Wenn Unternehmen den Rechtsstaat mit Füßen treten, dann müssen sie weg.” Er bekräftigte das Ziel, bei Verdi Betriebsräte durchzusetzen. Dann würden “solche Schweinereien” nicht mehr passieren.

Der SPD-Wirtschaftspolitiker Rainer Wend sagte der Internet-Ausagbe des “Stern”: “Das ist eine menschenverachtende Anmaßung, die dort stattfindet.” Er forderte die Lidl-Mitarbeiter auf, in Gewerkschaften einzutreten und Betriebsräte zu gründen. Der CDU-Arbeitnehmervertreter Gerald Weiß sagte, es müsse geprüft werden, auf welcher rechtlichen Grundlage man Angestellte vor derartigen Übergriffen schützen könne. Er kaufe prinzipiell nicht bei Lidl. “Da wurde früher schon sämtliche Mitbestimmung verhindert.”

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, sagte dem “Stern”, dass das Protokollieren eines Toilettenbesuchs und ähnliches einen schweren Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz darstelle: “Ich gehe davon aus, dass, wenn solche Vorgänge bekanntwerden, die zuständige Datenschutzbehörde tätig wird und Ermittlungen einleitet.”

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