September 16, 2008 / 1:41 PM / 10 years ago

Porsche bringt Volkswagen unter seine Kontrolle

Hamburg (Reuters) - Drei Jahre nach dem Einstieg bei Volkswagen hat Porsche Europas größten Autobauer unter seine Kontrolle gebracht.

Der Stuttgarter Sportwagenbauer erwarb nach Angaben vom Dienstag weitere 4,89 Prozent an VW und kommt damit auf 35,14 Prozent an dem sehr viel größeren Wolfsburger Autokonzern. “Das Ziel bleibt weiterhin, unseren Anteil an Volkswagen auf über 50 Prozent zu erhöhen. Der heutige Schritt ist ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg”, erklärte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

Die Aktien hatte sich Porsche bereits durch Termingeschäfte gesichert, um von den europäischen Kartellwächtern grünes Licht für die Pläne zur Übernahme von VW zu bekommen. Mit dem Stimmrechtsanteil verfügt Porsche nun über eine faktische Mehrheit in der VW-Hauptversammlung, da in den vergangenen Jahren meist nur rund 60 Prozent der Stimmrechte vertreten waren. Diese faktische Hauptversammlungsmehrheit hatte die EU von Porsche als Bedingung für die Genehmigung der Übernahme der tatsächlichen Stimmrechtsmehrheit verlangt, die Porsche in einigen Wochen erlangen will.

Mit der Aufstockung wird VW Teil der Porsche-Holding, mit entsprechenden Folgen für die Beschäftigten. Damit werden die Arbeitnehmervertreter von Volkswagen in den Betriebsrat der Porsche Europa-Holding und in den Aufsichtsrat der Dachgesellschaft einziehen. Das Management und der Betriebsrat von Porsche liegen seit Monaten mit dem VW-Betriebsrat im Clinch. Der auch vor Gericht ausgetragene Streit dreht sich um die Machtverteilung in der Porsche-Holding, unter der sowohl das Fahrzeuggeschäft von Porsche als auch die Beteiligung an VW geführt werden. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verlangt mehr Einflussmöglichkeiten für die rund 30-mal größere Belegschaft des Wolfsburger Konzerns.

Gleichzeitig mit der Anteilsaufstockung musste Porsche den Aktionären der VW-Tochter Audi ein Pflichtangebot unterbreiten. “Wir sehen Audi als integralen Bestandteil des Volkswagen-Konzerns und haben kein Interesse daran, das Unternehmen aus dem Konzernverbund herauszulösen”, betonte Wiedeking.

Seit vergangenem Freitag muss sich der Großaktionär jede Zusammenarbeit mit Audi vorher im Aufsichtsrat von Volkswagen absegnen lassen. Möglich wurde dies durch das Abstimmungsverhalten von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, der einem Antrag der Belegschaftsvertretung zu einer Mehrheit verhalf. Das hatte für eine Eklat mit Porsche gesorgt.

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