February 15, 2008 / 2:29 PM / 11 years ago

Postchef Zumwinkel tritt auf Druck der Politik zurück

Düsseldorf (Reuters) - Der unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung stehende Post-Chef Klaus Zumwinkel tritt nach massivem Druck der Politik zurück.

Klaus Zumwinkel, CEO of German postal and logistics group Deutsche Post AG frowns during the company's annual news conference in Bonn in this March 22, 2005 file photo. Zumwinkel was set to quit as chief executive of German mail group Deutsche Post February 15, 2008, as a tax-dodging probe threatened to ensnare more rich Germans. Zumwinkel's offer to resign will be accepted at a supervisory board meeting on Monday, a finance ministry spokesman told a news conference. REUTERS/Alex Grimm/Files (GERMANY)

Nach mehr als 18 Jahren an der Spitze der ehemaligen Bundespost kündigte Zumwinkel am Freitag seinen Rückzug als Vorstandschef der Post und als Aufsichtsratschef der Tochter Postbank an. Der 64-Jährige macht damit den Weg für einen Generationenwechsel im Management des größten Logistikkonzerns der Welt frei. Als designierter Nachfolger gilt der 46-jährige Frank Appel, der als Vorstand bislang für Logistik und das internationale Briefgeschäft zuständig ist.

Zumwinkel ziehe sich nach eigener Aussage im Interesse des Unternehmens zurück, teilte der Konzern mit. Der Manager selbst äußerte in einem Interview mit der “Bild”-Zeitung” (Samstagausgabe) sein Bedauern über die Umstände seines Rücktritts. “Ich wollte eine neue Ära einleiten, aber mit einem anderen Übergang, als es jetzt geschieht”, sagte er. “An der Aufklärung der Fragen zu meinen privaten Finanzverhältnissen werde ich mich aktiv beteiligen”, fügte Zumwinkel hinzu.

Noch am Abend zuvor hatte die Post erklärt, der Vorstandschef führe die Geschäfte wie gewohnt fort. Zu laut wurden jedoch die Forderungen von Bundespolitikern nach einem sofortigen Abgang des Managers, dessen Vertrag noch bis November läuft. Der Bund ist über die staatliche KfW-Bank mit 31 Prozent größter Einzelaktionär der Post. Außerdem zieht sich der Spitzenmanager aus dem Aufsichtsrat der Telekom zurück, dessen Vorsitz er innehat, wie die Telekom am Abend mitteilte.

MERKEL - RÜCKTRITT WAR “UNAUSWEICHLICHER” SCHRITT

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete den Rücktritt Zumwinkels als “unausweichlichen” Schritt. Der Fall bewege sich jenseits dessen, was viele und auch sie selbst sich hätten vorstellen können, sagte sie in Berlin. Nach Worten von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat Zumwinkel die Steuerhinterziehung gestanden. Er könne sich “nicht vorstellen, dass jemand der den Tatbestand der Steuerhinterziehung bestätigt hat, zugegeben hat, in so wichtigen Funktionen in Unternehmen verweilt”, sagte Steinbrück. Er sprach von einem erheblichen moralischen Schaden, der bereits entstanden sei. SPD-Chef Kurt Beck hatte bereits am Morgen den sofortigen Rücktritt Zumwinkels gefordert, dessen Villa in Köln und Büro im Bonner Post-Tower die Staatsanwaltschaft am Donnerstag durchsucht hatte.

Zumwinkel soll mit Geldanlagen in liechtensteinische Stiftungen Steuern in einer Größenordnung von rund einer Million Euro hinterzogen zu haben. Die Ermittlungen könnten den Anstoß zur Aufdeckung Hunderter weiterer Fälle von teils erheblichem Steuerbetrug geben. In Kreisen der Ermittler war von über 1000 Verdächtigen und über 100 geplanten Razzien allein bis Montag die Rede. Laut “Süddeutscher Zeitung” (Samstagausgabe) richten sich die Steuerfahndungen nicht gegen weitere Topmanager deutscher Großkonzerne. “Ein weiterer Vorstand eines Dax-Unternehmens ist nicht darunter”, wurde der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek zitiert. Bei den Beschuldigten handele es sich vielmehr zum Teil um mittelständische Unternehmer und “regionale Größen”, berichtete das Blatt unter Berufung auf Ermittlerkreise.

POST LÄSST NACHFOLGE ZUMWINKELS OFFEN - APPEL FAVORIT

Zur Nachfolge Zumwinkels äußerte sich die Post nicht. Zumwinkel bleibe in den nächsten Tagen noch im Amt. Regierungskreisen zufolge wird der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am Montag sich noch nicht endgültig auf einen Nachfolger festlegen. Die Entscheidung werde zügig und mit der notwendigen Sorgfalt entschieden, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Als Nachfolger war bereits im vergangenen Jahr Appel in Stellung gebracht worden, als er zusätzlich die Verantwortung für das Briefgeschäft außerhalb Deutschlands übernommen hatte. Er gilt als Ziehsohn Zumwinkels.

Die Aktienkurse der Post und der Postbank reagierten mit Gewinnen auf das Rücktrittsangebot. Die Anleger warten auf Perspektiven für das Briefgeschäft und erhoffen sich klare Aussagen zur Postbank. Zumwinkel hatte angekündigt, sich in diesem Jahr zur Zukunft der umworbenen Bank zu äußern. Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben großes Interesse.

- Tom Käckenhoff und Nikola Rotscheroth -

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