October 6, 2008 / 5:55 PM / 12 years ago

Auch SAP kämpft mit Finanzkrise - Aktie im freien Fall

Stuttgart (Reuters) - Der Softwarekonzern SAP hat die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise zu spüren bekommen und einen deutlichen Nachfragerückgang verbucht.

Die Entwicklung an den Finanzmärkten habe unmittelbar vor Ende des dritten Quartals zu einem “abrupten und unerwarteten Abschwung unseres Geschäfts” geführt, teilte SAP am Montag überraschend mit. Daher seien die Zuwächse bei Software-Lizenzen und Wartung schwächer ausgefallen als erwartet, räumte SAP-Co-Chef Henning Kagermann ein. Die SAP-Aktie verlor daraufhin zeitweise knapp 20 Prozent an Wert.

Die Kunden hätten Aufträge auf Eis gelegt und agierten wegen unsicherer Finanzierungen vorsichtiger, sagte Kagermann. Zu Stornierungen sei es noch nicht gekommen, die Aufträge seien bisher nur verschoben worden. Daher seien im dritten Quartal die um einmalige Akquisitionseffekte bereinigten Softwarelizenz- und Wartungserlöse lediglich um 16 bis 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,01 bis 2,02 Milliarden Euro gestiegen. Ab sofort gelte bei SAP ein Einstellungsstopp.

SAP SCHEUT PROGNOSE BIS JAHRESENDE

“Niemand hat das, was in den vergangenen beiden Wochen passiert ist, vorhergesehen”, sagte Kagermann. Angesichts dieser Unsicherheit scheut SAP derzeit vor einem Ausblick bis Jahresende zurück. SAP werde erst Ende Oktober einen aktualisierten Ausblick auf die verbleibenden Monate des Jahres abgeben, kündigte Kagermann an. Dann will der Vorstand weitere Details zu Umsatz und Gewinn im abgelaufenen Quartal veröffentlichen.

Ganz abgehakt hat der auf Unternehmenssoftware spezialisierte Walldorfer Konzern das laufende Geschäftsjahr noch nicht, da das umsatz- und renditestarke Schlussquartal gerade erst begonnen hat. “Wir sind weiterhin in der Mitte unserer Guidance”, sagte Kagermann. Für das dritte Quartal seien zwar lebhaftere Geschäfte erwartet worden, die sichergestellt hätten, dass SAP wie versprochen den oberen Rand seiner Prognose für 2008 erreichen würde, ergänzte der Manager.

SAP ging bislang bis Jahresende von einem Zuwachs von 24 bis 27 Prozent bei den Erlösen aus Software-Verkäufen und -Wartung aus. Wechselkurseffekte und akquisitionsbedingten Abschreibungen waren darin nicht berücksichtigt. Nach Abschluss von drei Quartalen verzeichnet SAP einen Zuwachs von 25 bis 26 Prozent zum Vorjahreszeitraum beim Produktumsatz (Softwarelizenz- und Wartungserlöse).

An der Börse sorgte der jüngste Nachfrageeinbruch für eine Verkaufswelle bei SAP-Aktien. Die Papiere schlossen gut 16 Prozent im Minus bei 28,84 Euro und sind damit so billig wie zuletzt Anfang des Jahres. Auch die Aktien des größten Konkurrenten Oracle zog es mit in die Tiefe. Die Papiere des US-Softwarekonzerns büßten in New York fast zehn Prozent auf 17,65 Dollar ein.

Bei Analysten und Investoren hatten SAP und die Software-Branche zuletzt als sicherer Hafen im unsicheren Börsenumfelds gegolten. Noch Ende September hatte SAP-Finanzchef Werner Brandt auf einer Investorenkonferenz alle Zweifel an einer Eintrübung der Geschäfte beiseitegewischt und die Renditeziele des Konzerns für dieses Jahr bekräftigt.

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