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Unternehmensnachrichten

FOKUS 2-Wirecard will Bilanzvorwürfe mit Gutachten klären lassen

(behebt Tippfehler im ersten Satz)

(neu: Wirecard lässt Bilanz 2007 prüfen)

München, 21. Jul (Reuters) - Der in Turbulenzen geratene Zahlungsverkehrs-Abwickler WirecardWDIG.DE will seine von Anlegern in Frage gestellte Bilanz noch einmal unter die Lupe nehmen lassen. "Um alle Zweifel zum Geschäftsbericht 2007 restlos auszuräumen, hat der Aufsichtsrat auf Ersuchen des Vorstands heute beschlossen, eine der vier großen internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zu beauftragen", teilte das Unternehmen aus Grasbrunn bei München am Montag mit. Diese solle ein Gutachten erstellen.

Wirecard liegt mit der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) im Clinch. Diese wirft Wirecard falsche Bilanzierung vor, was das Unternehmen zurückweist. Die kleine Prüfungsfirma RP Richter, die den Abschluss für 2007 geprüft hatte, hatte keine Einwände angemeldet.

Wirecard-Aktien, die seit Mitte Mai zwei Drittel an Wert eingebüßt haben, stabilisierten sich 20 Prozent im Plus bei über fünf Euro. Am Freitag waren sie um knapp 30 Prozent abgestürzt, nachdem der Zwist mit den Kleinanlegervertretern eskaliert war: Wirecard zeigte die SdK wegen Kursmanipulation und Insiderhandel an. Die Aktionärsvereinigung will die von der Hauptversammlung beschlossene Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat vom Gericht annullieren lassen und strafrechtliche Schritte gegen die Vorwürfe von Wirecard einleiten.

Die SdK verteidigte zu Wochenbeginn erneut ihre Geschäfte mit Wirecard-Aktien. Der stellvertretende SdK-Chef Markus Straub sagte in einem Interview mit dem Anlegermagazin “Der Aktionär”, er habe seine Interessen stets publik gemacht und bei seinen Anlageentscheidungen keine Insiderinformationen gehabt. Er hatte so investiert, dass er von fallenden Wirecard-Kursen profitiert. Die Kursverluste von Wirecard seien nicht durch seine Investments verursacht worden, sondern eine zu hohe Bewertung an der Börse sowie eine falsche oder irreführende Bilanzierung.

Analysten zeigten sich unschlüssig. Die WestLB stufte die Aktie auf “Hold” von “Buy” herunter. Kurzfristig sei nicht mit Klarheit zu rechnen. Deswegen werde die Aktie weiterhin von Gerüchten getrieben, sagte Analyst Björn Stübner. Die Experten von SES Research sehen nach einem Gespräch mit Wirecard-Chef Markus Braun und Wirtschaftsprüfer Roland Weigl keine Hinweise auf eine falsche Darstellung oder Manipulation der Bilanz. SES-Analyst Jochen Reichert empfiehlt die Aktie zum Kauf.

Wirecard will künftig durch eine genauere Aufschlüsselung der Einkünfte für mehr Transparenz sorgen, wie eine Sprecherin sagte. SdK-Mann Straub legte noch einmal nach: Er warf Wirecard vor, bis zu ein Viertel des Umsatzes komme mittlerweile aus der Zahlungsabwicklung von Glücksspielen, ohne dass dies im Geschäftsbericht erwähnt werde. Die Organisation halte das für problematisch. Wirecard wollte sich hierzu nicht äußern.

chk/axh

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