May 11, 2020 / 6:55 AM / 17 days ago

Pleitewelle in Deutschland vorerst ausgeblieben

A general view of the Brandenburg Gate, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues in Berlin, Germany, April 17, 2020. REUTERS/Christian Mang

Berlin (Reuters) - Deutschland ist bislang von der befürchteten Corona-bedingten Pleitewelle verschont geblieben.

Die Zahl der Regelinsolvenzverfahren für Unternehmen nahm im März zwar um 1,6 Prozent zum Vorjahresmonat zu, fiel im April aber um 13,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Da durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie viele Betriebe in Not geraten sind, veröffentlichten die Statistiker erstmals vorläufige Angaben zu den eröffneten Regelinsolvenzverfahren.

“Die durch die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu deren Eindämmung verursachte wirtschaftliche Krise spiegelt sich im März und April nicht in einem Anstieg der eröffneten Insolvenzverfahren wider”, so das Statistische Bundesamt. Es führt dies zum einen auf Bearbeitungszeiten zurück, die sich durch den teilweise eingeschränkten Betrieb der Insolvenzgerichte verlängerten. Zum anderen wirkten die Hilfen der Bundesregierung - vor allem die vorübergehende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht. Letzteres habe “eine schnelle Zunahme der Insolvenzanträge verhindern” können.

“Gläubiger wie Krankenkassen oder Finanzämter dürfen für drei Monate praktisch keinen Insolvenzantrag stellen”, sagte dazu der Vorsitzende des Verbandes der Insolvenzverwalter (VID), Christoph Niering, der Nachrichtenagentur Reuters. “Die fehlende Antragsmöglichkeit wirkt sich dadurch deutlich auf die Statistik aus.” Mit diesem rechtstechnischen Hebel könne die Zahl der Insolvenzen niedrig gehalten werden. “Wenn sie bis 2021 verlängert werden, dürfte die befürchtete Insolvenzwelle 2020 nicht so stark ausfallen wie angenommen”, sagte Niering.

Sein Verband rechnet für das laufende Jahr mit einem Anstieg im zweistelligen Prozentbereich. “Da die Zahl der Insolvenzen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken ist, wäre selbst ein Anstieg um 20 Prozent auf 23.000 noch wenig im Vergleich zur Finanzkrise”, sagte Niering. Die Frage sei, wie gut das finanzielle Polster der Unternehmen ist. In vielen Branchen werde es erhebliche Umsatzeinbrüche geben. “Die Kunden werden nicht so schnell an die Zeit vor der Krise anknüpfen, denn die gesundheitlichen Risiken bestehen ja weiter – und es gibt mehr als zehn Millionen Kurzarbeiter, die mit erheblichen Lohneinbußen zurechtkommen müssen”, sagte der VID-Vorsitzende.

Die Amtsgerichte meldeten für Februar - neue Daten liegen noch nicht vor - 1529 Firmenpleiten. Das sind 3,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es dabei mit 255 Fällen im Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen), gefolgt vom Baugewerbe mit 226. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger lagen in dem Monat mit knapp 1,0 Milliarden Euro nur etwa halb so hoch wie vor Jahresfrist.

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