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Fiskalpakt: Opposition besteht auf Einlenken Merkels
24. Mai 2012 / 09:29 / vor 6 Jahren

Fiskalpakt: Opposition besteht auf Einlenken Merkels

Berlin (Reuters) - Kurz vor dem Spitzentreffen zum Fiskalpakt haben führende Oppositionspolitiker Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut zur Korrektur ihrer Anti-Krisenpolitik aufgefordert.

Zugleich wies SPD-Chef Sigmar Gabriel am Donnerstag den Vorwurf zurück, seine Partei wolle die Einführung des Fiskalpaktes für mehr Ausgabendisziplin in Europa verzögern. “Wir werden natürlich nichts gegen den Fiskalpakt haben, wenn neben ihm auch ein Wachstumspakt steht”, bekräftigte Gabriel in der ARD die Forderung nach einem flankierenden Wachstumsimpuls. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin forderte: “Frau Merkel muss ihre Finanz- und Wirtschaftspolitik für Europa entscheidend ändern, wenn sie den Fiskalpakt ratifiziert haben will.” Zudem müsse sie ihre Blockade von Eurobonds aufgeben, sagte er Reuters TV.

Merkel will mit dem Spitzengespräch im Kanzleramt am Nachmittag Hindernisse aus dem Weg räumen, damit doch noch vor der Sommerpause parallel im deutschen Parlament über den Fiskalpakt und den geplanten Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM abgestimmt werden kann. SPD und Grüne allerdings halten den Fiskalpakt wegen offener Fragen noch nicht für abstimmungsreif. Sie plädieren dafür, zunächst nur über den ESM abzustimmen, so dass dieser zum 1. Juli in Kraft treten kann. Die schwarz-gelbe Koalition dagegen sieht beide Vorhaben als Einheit und beharrt daher auf der Bündelung der Abstimmungen. Allerdings bedarf die Fiskalpakt-Entscheidung einer Zwei-Drittel-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat. Ohne Stimmen von SPD und Grüne scheitert er.

Die europäische Anti-Krisenpolitik mit dem Fiskalpakt war auch Thema eines informellen EU-Gipfels in Brüssel am Mittwochabend. Dabei wurden tiefe Risse zwischen den EU-Ländern in der Frage von Eurobonds deutlich, deren Einführung vor allem Frankreichs neuer Staatspräsident Francois Hollande fordert. Offen ist zudem, wie dem Fiskalpakt zusätzliche Wachstumsanreize zur Seite gestellt werden sollen. Über die Folgen des Fiskalpakts für die Bundesländer sprechen zudem am Mittag die Finanzminister von Bund und Ländern in Berlin.

OPPOSITION - MERKEL SUCHTE ZU LANGE NICHT DAS GESPRÄCH

Gabriel warf der Kanzlerin vor, sie habe trotz der Konfliktträchtigkeit des Themas Fiskalpakt monatelang nicht das Gespräch mit der Opposition gesucht. Er stelle klar, es gehe ihm nicht um Änderungen an dem Pakt selbst, sondern um ergänzende Initiativen für Wachstum und Beschäftigung. Finanziert werden könnte das aus unverbrauchten EU-Mitteln und durch eine Steuer auf Finanzgeschäfte. Diese Steuer könne angesichts von Widerstand in einigen EU-Ländern auch nur in Teilen der Union angegangen werden. “Wir schlagen vor, das gleiche zu tun, was beim Fiskalpakt getan wurde: nämlich eine Koalition der Willigen zu schließen”.

Trittin forderte Merkel auf, ihren einseitigen Sparkurs aufzugeben. “Die Bundesrepublik Deutschland ist in Europa, ist im gesamten westlichen Umland, völlig isoliert. Und diese Isolation ist gefährlich für ein Land, das so vom Export lebt”, sagte er Reuters TV. Zum Fiskalpakt fehlten der Opposition noch wesentliche Unterlagen. Zudem brauche Europa Maßnahmen gegen den “brutalen Zinsanstieg”. Das Mittel dazu sei ein Schuldentilgungsfonds, um so den Zinsdruck von Krisenländern zu nehmen. Außerdem sei eine Investitionsoffensive nötig, die aus einer neuen Finanztransaktionssteuer finanziert werden solle.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD, Carsten Schneider, forderte Merkel auf, auf das Amt des Eurogruppen-Chefs für Finanzminister Wolfgang Schäuble zu verzichten und stattdessen für Deutschland zu versuchen, den Chefposten beim ESM zu reklamieren. Bislang galt Schäuble als der heißestes Kandidat für das Eurogruppen-Spitzenamt. Schneider hält den Chef des provisorischen Rettungsfonds EFSF, Klaus Regling, für eine gute Besetzung des Top-Jobs beim ESM.

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