January 3, 2018 / 9:40 AM / 7 months ago

Studie - Flüchtlingskriminalität steigt bei fehlender Perspektive

Berlin (Reuters) - Straftaten von Flüchtlingen gehen nach einer Studie vor allem von jungen Männern aus, die keine Aussicht auf ein Bleiberecht in Deutschland haben.

Refugees, some announcing a hunger strike, hold placards during a protest as they seek reunification with family members in Germany, near the parliament building in Athens, Greece, November 1, 2017. REUTERS/Alkis Konstantinidis

Es seien insbesondere junge Männer, die keine Perspektive für sich in Deutschland sähen und dann anfingen, straffällig zu werden, sagte eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums, das die Untersuchung in Auftrag gegeben hat, am Mittwoch in Berlin. Sie sprach sich indirekt für den umstrittenen Familiennachzug aus, um die Kriminalität bei Flüchtlingen zu dämpfen: “Die Studie zeigt auch, dass Familien zur sozialen Stabilisierung beitragen.” Die Städte und Gemeinden indes lehnen den Familiennachzug ab und warnen vor einer Überforderung bei der Integration.

Es kämen monatlich immer noch rund 15.000 Flüchtlinge, was einer deutschen Kleinstadt entspreche, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), Gerd Landsberg, in Berlin. “Wir tun gut daran, nicht Tür und Tor komplett zu öffnen.” Die Möglichkeiten etwa zur Unterbringung der Menschen seien begrenzt. Der Städtebund forderte, eine neue Bundesregierung müsse nordafrikanische Staaten als sichere Herkunftsländer einstufen, um die Zuwanderung von dort einzugrenzen. Zudem müsse der Bund Hilfen für die Kommunen zugunsten von Flüchtlingen langfristig garantieren.

Vor ihren Sondierungsgesprächen zur Regierungsbildung liegen Union und SPD in der Flüchtlingsfrage auseinander. Vor allem die CSU dringt darauf, dass der Familiennachzug mit eingeschränktem Status weiter untersagt bleibt. Im März läuft die Regelung ab. Die SPD sieht das in großen Teilen anders und den Nachzug als Integrationshilfe. Die Sprecherin des Familienministeriums, das von der SPD-Politikerin Katarina Barley geschäftsführend geleitet wird, sagte mit Blick auf die Studie, seit 2015 habe es einen Anstieg von Gewalttaten gegeben, den die Autoren auf den Zuzug von Flüchtlingen zurückführten. In dem Jahr waren rund eine Million Hilfesuchende nach Deutschland gekommen. Die Autoren stellten aber auch klar, dass die Flüchtlinge nicht pauschal krimineller seien als Deutsche.

KRIMINOLOGE PLÄDIERT FÜR FAMILIENNACHZUG

Für den Nachzug der Angehörigen plädierte auch einer der Autoren der Studie, der Kriminologe Christian Pfeiffer. “Je höher der Frauenanteil bei einer Flüchtlingsgruppe, umso ziviler verhält sie sich. Frauen zivilisieren die Männer”, sagte der ehemalige Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen im ZDF. “Wenn die Frauen fehlen, können sich Macho-Kulturen entwickeln und umso stärker ausgelebt werden”, sagte Pfeiffer. “Von daher gesehen ist Familiennachzug richtig.”

Nach Auffassung des Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, belegt die Studie die Dringlichkeit einer gezielten Prävention. Deshalb seien verpflichtende Sprachkurse, Praktika oder Betreuungskonzepte für junge Flüchtlinge wichtig. Zugleich müssten abgelehnte Asylbewerber zügig in ihrer Heimatländer zurückgeführt werden. Nach der Untersuchung sind es vor allem nordafrikanische Männer, die den polizeilichen Statistiken überproportional vertreten sind. Sie haben kaum Chancen auf ein Bleiberecht in Deutschland.

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