June 20, 2018 / 10:14 AM / 2 months ago

Deutschland zieht mehr EU-Bürger als Flüchtlinge an

Berlin (Reuters) - Trotz des hohen Flüchtlingszuzugs kamen im Jahr 2016 nach OECD-Berechnungen mehr EU-Bürger als Geflüchtete als dauerhafte Zuwanderer nach Deutschland.

Syrian refugees arrive at the camp for refugees and migrants in Friedland, Germany April 4, 2016. The first group of Syrian refugees arrived in Germany by plane from Turkey under a new deal between the European Union and Ankara to combat human trafficking and bring migration under control, German police said on Monday. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Als Grund dafür nannte der OECD-Experte Thomas Liebig am Mittwoch in Berlin den robusten Arbeitsmarkt in Deutschland. Gerade die innereuropäische Migration sei davon geprägt, machte Liebig bei der Vorstellung des OECD-Migrationsausblicks deutlich. Erstmals überschritt 2016 nach OECD-Berechnungen die dauerhafte Zuwanderung nach Deutschland mit 1,051 Millionen die Millionengrenze. Deutschland rangierte damit auf dem zweiten Platz hinter den USA.

Für 2017 geht die OECD für Deutschland angesichts der stark gesunkenen Zahl der Asylsuchenden von einer geringeren Zuwanderung aus. Die Industriestaaten-Organisation zählt als Zugezogene nur diejenigen, die in Deutschland bleiben - Asylsuchende also erst, wenn sie einen Schutzstatus bekommen. Der Flüchtlingszuzug mit seinem Höhepunkt 2015 schlägt sich daher in den OECD-Zahlen für 2016 am stärksten nieder. Anders als das Statistische Bundesamt zieht die OECD auch keine Bilanz aus Zu- und Abwanderung. Das Statistikamt hatte für 2016 eine Netto-Zuwanderung von 500.000 Menschen nach über 1,1 Millionen im Jahr davor ausgemacht.

Die Arbeitsmarktlage für Zuwanderer sei in Deutschland trotz Flüchtlingszuzugs und einem erheblichen Anteil an geringqualifizierten Zuwanderern erstaunlich robust, sagte Liebig der Nachrichtenagentur Reuters. Mit einer Beschäftigungsquote von 68 Prozent unter den Zugewanderten liege Deutschland in der Spitzengruppe der OECD-Länder und stehe fast zwölf Prozentpunkte besser da als Frankreich.

Die Zuwanderung spielt aus Sicht von Arbeitsmarkt-Experten ein wichtige Rolle, um dem Fachkräftemangel in vielen Branchen zu begegnen. Union und SPD wollen daher ein Fachkräfte-Einwanderungsgesetzt auf den Weg bringen.

Alle OECD-Staaten zusammen verzeichneten 2017 nach vorläufigen Zahlen erstmals seit 2011 weniger Einwanderer. Nach 5,3 Millionen dauerhaften Zuwanderern im Jahr davor seien es 2017 voraussichtlich rund fünf Millionen gewesen, teilte die Organisation mit Sitz in Paris mit. Derzeit lebten in den OECD-Ländern rund 6,4 Millionen Flüchtlinge, mehr als die Hälfte davon in der Türkei.

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