February 28, 2018 / 11:30 AM / 4 months ago

Experten warnen vor "digitalem Analphabetentum"

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung muss aus Sicht ihrer Berater Deutschland fit für die Digitalisierung machen und für qualifizierte Arbeitnehmer sorgen.

Gunther Oettinger, European Commissioner of Digital Science and Society uses mobile phones during the conservative Christian Democratic Union CDU party convention in Essen, Germany, December 6, 2016. REUTERS/Wolfgang Rattay

Schulen und Hochschulen müssten den Nachwuchs auf die zunehmende Bedeutung von Datenverarbeitung und Vernetzung vorbereiten, forderte die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) am Mittwoch in Berlin anlässlich der Übergabe ihres Gutachtens zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Experten mahnten, Deutschland müsse den Anschluss an die neuen Techniken halten, denn sie seien der Schlüssel für künftigen Wohlstand. Dafür seien auch steuerliche Anreize zur Forschungsfinanzierung und ein europäisch abgestimmtes Vorgehen nötig.

EFI-Mitglied Uschi Backes-Gellner warnte vor einem “digitalen Analphabetentum” und forderte die Einführung von Digitalkunde bereits in der Grundschule. Auch in Hochschulen muss demnach die Digitalisierung ein größeres Gewicht erhalten und nicht nur in technischen Fächern gelehrt werden. Lob gab es von den Experten für den im Koalitionsvertrag geplanten Digitalpakt, für den fünf Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren vorgesehen sei. Auch die Steigerung der Forschungsausgaben auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2025 seien der richtige Ansatz.

ARBEITNEHMER SOLLEN MIT “BIG DATA” UMGEHEN KÖNNEN

“Fähigkeiten in Software- und Algorithmen-Entwicklung beziehungsweise entsprechend spezialisierte Fachkräfte mit digitalen Schlüsselkompetenzen sind wichtige Voraussetzungen für Produktivitätswachstum”, sagte EFI-Chef Dietmar Harhoff. Es gehe unter anderem um die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI), autonomer Systeme oder den Umgang mit Big Data. Neben neuen Lehrplänen müsse an Schulen und Universitäten auch die Ausstattung mit Computern und Internet-Anschlüssen verbessert werden. Die Kommission mahnte, bereits 2016 hätten 70 Prozent der Unternehmen über einen wachsenden IT-Fachkräftemangel geklagt.

Große Chancen für den Wirtschaftsstandort Deutschland sieht die Kommission in KI und autonomen Systemen. Beispiele für die Anwendung seien automatisiertes Fahren, industrielle Produktionsprozesse, Anwendungen im häuslichen Bereich (smart home) und Arbeit in gefährlicher Umgebung wie etwa Minenfeldern. Ein seit Jahren unzureichend genutztes Potenzial sei die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung, die nach EFI-Ansicht auf kleine und mittlere Unternehmen fokussiert werden sollte. Auch der Verband mittelständischer Maschinen- und Anlagenbauer VDMA forderte eine Trendwende hin zur Forschungsförderung von Mittelständlern mit 250 bis 3000 Beschäftigten.

Die EFI pocht auch auf ein abgestimmtes Vorgehen in der EU, denn nur im europäischen Verbund werde das nötige Gewicht erreicht, um weltweit konkurrenzfähig zu sein. “China wird eine Wissenschaftsweltmacht werden”, sagte Harhoff. Man könne sich angesichts der autoritären Ausrichtung der Volksrepublik nicht auf den wissenschaftlichen Austausch verlassen. Auch deswegen sei der europäische Kontext für die Digitalisierung wichtig.

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