May 23, 2013 / 5:03 PM / 6 years ago

Deutsch-Französische Kooperation bei Panzerschmieden in Sicht

Philippe Burtin, Chairman and Chief Executive Officer of Nexter Systems, attends a news conference to present the company's 2011 annual results in Paris February 29, 2012. REUTERS/Philippe Wojazer

Berlin (Reuters) - Zwischen den beiden großen Panzerschmieden Deutschlands und Frankreichs bahnt sich offenbar eine Kooperation an: Krauss-Maffei Wegmann und der französische Rüstungskonzern Nexter hätten Interesse an einer Zusammenarbeit, hieß es am Donnerstag in Sicherheitskreisen.

Es müsse aber kein Zusammenschluss sein, die Gespräche seien in einem sehr frühen Stadium. “Industriell würde ein Zusammengehen auf jeden Fall Sinn machen, denn wir stehen beide der Herausforderung durch die US-Industrie gegenüber”, zitierte das “Handelsblatt” einen Insider von Nexter. Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian habe den Fall bereits mit seinem deutschen Kollegen Thomas de Maiziere besprochen.

Die zersplitterte europäische Rüstungsindustrie steht angesichts schrumpfender Verteidigungsetats seit Jahren unter Konsolidierungsdruck. Deutschland und Frankreich hatten im Juni 2012 ein Abkommen über eine umfassende Rüstungskooperation unterzeichnet mit dem Ziel, langfristig ihre Einkaufsmacht auf dem milliardenschweren Markt zu bündeln. Beide Staaten kündigten unter anderem eine enge Abstimmung bei der Konzeptionierung der nächsten Generation Panzer und Artillerie an. Viel geschah seither allerdings nicht.

Noch immer machen sich die Rüstungskonzerne diesseits und jenseits des Rheins kräftig Konkurrenz: Erst im April setzte sich Krauss-Maffei Wegmann im Ringen um einen milliardenschweren Panzer-Auftrag aus Katar gegen die französische Konkurrenz durch. Das Familienunternehmen wird nun 62 Kampfpanzer des Typs Leopard 2 und 24 Panzerhaubitzen in den Wüstenstaat liefern. Auch Saudi-Arabien hat Interesse an über 200 Leopard-Panzern angemeldet. Die Bundesregierung hat die heikle Entscheidung über eine Exportgenehmigung nach Angaben aus Rüstungskreisen aber auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben.

Eine Kooperation zwischen KMW und Nexter könnte nach Einschätzung von Wehr-Experten allerdings Nachteile für Rheinmetall bedeuten, den angestammten Partner von Kraus-Maffei bei zahlreichen Rüstungsvorhaben. Die beiden Konzerne produzieren gemeinsam unter anderem den neuen Schützenpanzer Puma und den Radpanzer Boxer. In der Vergangenheit war immer wieder über eine Fusion der beiden Panzerschmieden spekuliert worden. Der Staatskonzern Nexter stellt den Kampfpanzer Leclerc, das Artilleriegeschütz Caesar sowie Rad- und Schützenpanzer, Sturmgewehre und Munition her.

Behindert wird eine Zusammenarbeit zwischen Krauss-Maffei und Nexter durch die Tatsache, dass sich der französische Rüstungskonzern wie etliche andere wehrtechnische Unternehmen im Nachbarland im Staatsbesitz befindet. Hier zeichne sich allerdings Bewegung ab, berichtete das “Handelsblatt”. Bereits die frühere konservative Regierung Frankreichs hatte einen Einstieg des teilstaatlichen Rüstungskonzerns Thales bei Nexter vorangetrieben. Diese Pläne zerschlugen sich jedoch. Zuletzt kündigte der französische Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault an, der Staat wolle seine Beteiligungen in bestimmten Geschäftszweigen reduzieren. Dies könne auch Nexter betreffen und eine Annäherung an Deutschland mit seinen privaten Rüstungskonzernen erleichtern, schrieb das “Handelsblatt”. Weder Krauss-Maffei noch das Verteidigungsministerium waren für eine Stellungnahme erreichbar.

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