February 27, 2012 / 8:00 AM / 8 years ago

Streiks am Frankfurter Flughafen gehen in neue Runde

Frankfurt (Reuters) - Im Tarifkonflikt am Frankfurter Flughafen verhärten sich die Fronten immer weiter: Nach dem Scheitern der jüngsten Verhandlungen wollen die Vorfeld-Beschäftigten erneut mehrere Tage lang streiken.

A passenger walks in front of the flight departure information board at the main terminal of Frankfurt's airport February 21, 2012. Strikes at Frankfurt airport, Germany's largest, will continue until the weekend, the GdF union, resulting in more flight cancellations and delays. Just under 200 apron control workers, such as those who guide aircraft to parking places, are striking over a pay dispute with Fraport, which runs the airport. REUTERS/Alex Domanski (GERMANY)

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) rief ihre Mitglieder am Wochenende dazu auf, die Arbeit auf Deutschlands größtem Flughafen von Sonntag 21.00 Uhr bis Donnerstag um 05.00 Uhr niederzulegen.

Der Flughafenbetreiber Fraport kritisierte den Schritt als “völlig überzogen und nicht nachvollziehbar” und forderte die GdF auf, den Arbeitskampf zu beenden. Fraport sei jedoch gut vorbereitet, um den Flugbetrieb weitgehend aufrechtzuerhalten und auch in der Lage, längere Streikphasen durchzuhalten. Zuvor war der Versuch, den bereits seit Monaten schwelenden Tarifkonflikt wieder am Verhandlungstisch zu lösen, abermals gescheitert.

Die rund 200 Flugzeug-Einweiser hatten ihre Arbeit auf dem Großflughafen bereits an fünf Tagen niedergelegt. Insgesamt fielen dadurch rund 1000 Flüge aus. Fraport hatte sich angesichts der verhärteten Fronten in dem Tarifstreit auf Streiks vorbereitet und zusätzliches Personal für die Arbeit auf dem Flugvorfeld geschult. Dadurch klappte der Notbetrieb während des Ausstands immer besser. Fraport zufolge wurden an den bisherigen ganztägigen Streiktagen über 80 Prozent der Flüge abgewickelt, der interkontinentale Flugverkehr sei nicht beeinträchtigt gewesen. Für den neuerlichen Ausstand rechne man mit ähnlichen Werten, teilte der Flughafenbetreiber mit.

Für Sonntagabend erwartete Fraport keine Störungen des Betriebsablaufs, auch Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa rechnete damit, zum Auftakt des Streiks kaum Flüge streichen zu müssen. Am Montag würden jedoch 140 Starts und Landungen im Kurz- und Mittelstreckenverkehr entfallen, teilte die Lufthansa mit. Eine Liste dieser Flüge war am Sonntag auf der Internetseite der Fluggesellschaft verfügbar. Die Airline, die auf dem Frankfurter Flughafen ihre Heimatbasis hat, war von den Ausständen bisher am stärksten betroffen.

Von Reuters TV befragte Fluggäste äußerten unterschiedliche Meinungen zu dem Konflikt. “Also ich würde sie alle entlassen”, sagte ein Passagier in der Abflughalle. “Für einen normalen Kraftfahrer so viel Geld zu verdienen - ich habe gelesen, was die verdienen. Und die wollen 70 Prozent mehr haben, das finde ich ‘ne Unverschämtheit.” Ein anderer zeigte dagegen Verständnis für den erneuten Ausstand: “Ja, das ist irgendwie schon gerecht, weil die Jungs verdienen echt wenig und die Koffer werden immer schwerer.”

Am Mittwoch hatte die GdF ein neues Gesprächsangebot von Fraport-Chef Stefan Schulte angenommen und den Streik ausgesetzt, um den Tarifkonflikt wieder am Verhandlungstisch zu lösen. Bereits am Freitag eskalierte der Streit jedoch erneut. Fraport sei nicht bereit gewesen, ihr eigenes, vor der anschließenden Schlichtung letztmaliges Angebot an die GdF als Verhandlungsbasis zu akzeptieren, kritisierte die Gewerkschaft. Die Gespräche seien geplatzt, nachdem Fraport die knapp 90 Vorfeldaufsicht-Mitarbeiter aus dem Tarifvertrag ausschließen wollte. Davon sei zuvor nie die Rede gewesen, kritisierte GdF-Tarifvorstand Markus Siebers im Gespräch mit Reuters. Offensichtlich habe die größere und rivalisierende Gewerkschaft Verdi Fraport zu diesem Schritt gedrängt. “Das können wir nicht hinnehmen.”

Die GdF vertritt neben den Vorfeldaufsehern auch Mitarbeiter der Vorfeld-Kontrolle und der Verkehrszentrale. Die Arbeit der Vorfeld-Beschäftigten ist mit der Eröffnung der vierten Landebahn in Frankfurt der GdF zufolge wesentlich anspruchsvoller geworden. Die Lohnentwicklung habe damit aber nicht Schritt gehalten, argumentieren die Arbeitnehmervertreter.

Die Arbeitgeber wiesen die Vorwürfe der Gewerkschaft zurück. “Die hohen Forderungen der GdF, die nach wie vor Steigerungen im hohen zweistelligen Prozentbereich beinhalten, führen zu Vergütungen deutlich oberhalb der Tarifniveaus vergleichbarer Tätigkeiten sowohl in Frankfurt als auch an anderen Flughäfen”, erklärte Fraport. Das Angebot der Fraport beinhalte deutliche Anpassungen, die für die Mitarbeiter der Verkehrszentrale höher seien als die Münchner Tarife. “Die Vorfeldaufsicht liegt bereits heute deutlich über diesem Niveau, weshalb dieser Bereich im bestehenden Tarifgefüge der Fraport verbleiben soll”, sagte Fraport-Arbeitsdirektor Herbert Mai. Der Vorwurf der GdF, Fraport wolle diese Mitarbeiter aus der bisherigen Lohnstruktur drängen, sei “absolut falsch”. “Die Vorfeldaufsicht ist bereits gut im Tarifgefüge, vor allem auch im Vergleich zu München, positioniert und verbleibt auch in diesem”, erklärte der Fraport-Vorstand.

Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, warnte vor den Konsequenzen, sollte sich die GdF mit ihren Lohnforderungen durchsetzen. Er wolle keinen “Zweifel daran lassen, wenn sich nur in annähernder Größenordnung diese Gruppe durchsetzen sollte, dann wird das entsprechende Forderungen auch für die anderen beschäftigten Gruppen an diesem Flughafen geben”, sagte Bsirske der ARD.

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