February 27, 2018 / 11:34 AM / 7 months ago

Fresenius zieht bei Akorn womöglich den Stecker

Bad Homburg (Reuters) - Die zweitgrößte Übernahme in der Firmengeschichte von Fresenius droht zu scheitern.

Fresenius headquarters in Bad Homburg near Frankfurt, Germany, February 27, 2018. REUTERS/Ralph Orlowski

Der Bad Homburger Gesundheitskonzern lässt nach anonymen Hinweisen prüfen, ob das von ihm ins Visier genommene US-Unternehmen Akorn gegen Vorgaben der amerikanischen Gesundheitsbehörde verstoßen hat. Dies könne das Ende des 4,4 Milliarden Euro schweren Deals bedeuten. “Sollten sich die Vorwürfe als sichthaltig erweisen und so materiell sein, dass dadurch unsere Ziele beeinträchtigt würden, werden wir von dem Vertrag zurücktreten”, sagte Fresenius-Chef Stephan Sturm am Dienstag.

Fresenius-Aktionäre atmeten auf, da zuletzt schwächer laufende Geschäfte bei Akorn für Verunsicherung gesorgt hatten. Die Titel legten um 2,3 Prozent zu und waren größter Gewinner im Leitindex Dax. Akorn-Aktien rauschten dagegen im vorbörslichen Handel an der Wall Street um mehr als 30 Prozent in die Tiefe.

Fresenius untersuche derzeit mit externen Sachverständigen, ob Akorn falsche Angaben bei der Produktentwicklung gemacht habe, sagte Sturm. In anonymen Briefen, die Fresenius bereits vor ein paar Wochen erhalten habe, sei auf Missstände im Entwicklungsprozess hingewiesen worden. Die Untersuchung werde voraussichtlich einige Wochen dauern. “Sollten sich die Vorwürfe als nicht stichhaltig erweisen, werden wir die Transaktion selbstverständlich durchziehen”, betonte Sturm. Er sei überzeugt davon, dass der Markt für flüssige Nachahmer-Medikamente in den USA ein großer Wachstumsmarkt sei. Fresenius lege aber auch Wert auf organisches Wachstum und werde bei einem Scheitern des Akorn-Deals nicht zwingend eine andere Firma ins Visier nehmen.

AKORN SIEHT DEAL MIT FRESENIUS NICHT IN GEFAHR

Akorn erklärte, die Transaktion mit Fresenius sollte nicht in Gefahr sein und die Geschäftsentwicklung sollte nicht in größerem Maße beeinträchtigt werden. Die Übernahme zieht sich bereits länger hin als gedacht. Eigentlich wollten die Bad Homburger sie bereits Ende 2017 unter Dach und Fach bringen. Akorn wäre der zweitgrößte Zukauf in der Fresenius-Geschichte nach der Akquisition des spanischen Klinkbetreibers Quironsalud für 5,8 Milliarden Euro vor gut einem Jahr.

Analyst Tom Jones von der Berenberg Bank erklärte, es sei noch nicht abschätzbar, ob die Nachricht gut oder schlecht für die Bad Homburger sei. “Einige Investoren wären sicher froh, wenn Fresenius davonlaufen würde. Aber das würde auch nicht ohne Kosten passieren und könnte einen langwierigen Rechtsstreit nach sich ziehen.” Möglich sei auch, dass Fresenius beim Kaufpreis nachverhandele, schrieb Analyst Bernhard Weiniger vom Broker Independent Research in einem Kurzkommentar. Strategisch sei eine Akorn-Übernahme wegen zunehmender Marktmacht der Einkäufer und eines drohenden Margenverfalls jedoch sinnvoll.

DIALYSETOCHTER FMC LEIDET UNTER HURRIKAN-SAISON

Mit der Geschäftsentwicklung von Fresenius zeigten sich die Analysten mehr als zufrieden. “Es gab nichts, was bei den Zahlen für Beunruhigung sorgen müsste”, erklärte Berenberg-Experte Jones. Das bereinigte Konzernergebnis stieg im vergangenen Jahr um 19 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 15 Prozent auf 33,9 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen für 2017 eine Dividende von 75 Cent erhalten nach 62 Cent für 2016.

Für das Geschäftsjahr 2018 erwartet Fresenius einen währungsbereinigten Anstieg des Umsatzes zwischen fünf und acht Prozent. Das Konzernergebnis soll um sechs bis neun Prozent zulegen. Das Unternehmen bestätigte zudem seine mittelfristigen Wachstumsziele bis 2020.

Weniger gut kam bei Aktionären dagegen das Zahlenwerk der Fresenius-Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) an. Deren Aktien gaben knapp vier Prozent nach und waren damit Schlusslicht im Dax. Die vor allem in den USA tätige FMC steigerte ihren Umsatz im vergangenen Jahr währungsbereinigt um neun Prozent auf 17,8 Milliarden Euro, das operative Ergebnis stagnierte bei 2,4 Milliarden Euro. Probleme machte FMC in den USA die vergleichsweise schwere Hurrikan-Saison im Herbst. Dabei wurden Dialysezentren beschädigt oder mussten geschlossen werden. Patienten mussten teilweise mit Booten und Hubschraubern zum nächsten verfügbaren Dialysezentrum gebracht werden.

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