September 21, 2018 / 6:31 AM / 2 months ago

Lust auf Übernahmen und Fusionen bleibt hoch

(Reuters) - Die Übernahmeaktivitäten bei deutschen Unternehmen bleiben hoch - trotz eines spürbaren Sommerlochs.

Press materials of E.ON and RWE are pictured on a desk before a joint news conference of the two German utilities after unveiling plans for an asset swap deal which will break up RWE's Innogy unit in Essen, Germany March 13, 2018. REUTERS/Wolfgang Rattay

Wie aus Daten von Thomson Reuters zum Stichtag 17. September hervorgeht, erreichte das Gesamtvolumen angekündigter M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung im bisherigen Jahresverlauf 216,9 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 137 Prozent gegenüber dem Vorjahr und geht insbesondere auf ein Allzeithoch bei innerdeutschen Transaktionen sowie Übernahmen deutscher Unternehmen durch ausländische Käufer zurück.

Das Volumen von Deals mit deutschen Zielunternehmen stieg bis Mitte September um 115 Prozent auf 128,1 Milliarden Dollar – der höchste Wert seit den 1960er Jahren. Die innerdeutsche M&A-Tätigkeit hatte daran einen Anteil von 39 Prozent, während bei 61 Prozent ein ausländischer Käufer beteiligt war. Deals mit Zielen im Ausland summierten sich auf 77,2 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 282 Prozent. Das Volumen innerdeutscher Transaktionen erreicht mit 50 Milliarden Dollar ebenso ein Allzeithoch wie das Volumen von Übernahmen deutscher Ziele durch ausländische Käufer. Dieses stieg bis zwei Wochen vor Ende des dritten Quartals um 90 Prozent auf 78,1 Milliarden Dollar.

Bemerkenswert: Trotz des Anstiegs beim Transaktionsvolumen mit deutscher Beteiligung wurden im bisherigen Jahresverlauf nur 1.606 Deals angekündigt – ein Rückgang von 10 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres und die niedrigste Anzahl seit 2013.

Weitere Schlaglichter aus den sogenannten “League Tables”:

ERFOLGREICHSTE BERATER:

* Mit Abstand die erfolgreichste Investmentbank in Deutschland in diesem Jahr bleibt auch nach neun Monaten Goldman Sachs, die bei 16 Deals in einem Gesamtvolumen von 144,9 Milliarden Dollar als Berater aktiv war. Auf dem zweiten und dritten Rang tauschten Morgan Stanley und die Deutsche Bank die Plätze: die Amerikaner liegen nun mit 14 Deals für rund 106 Milliarden Dollar hinter den Frankfurtern. Das größte deutsche Institut schob sich dank seiner Beteiligung an 13 Deals für rund 116 Milliarden Dollar einen Platz vor.

* Weltweit konnte sich die Deutsche Bank zu Ende des dritten Quartals vom zwölften auf den neunten Platz vorarbeiten. Sie war an 99 Deals mit einem Volumen von rund 344 Milliarden Dollar als Berater mit an Bord. Angeführt werden die Top-Ten von Morgan Stanley mit Deals im Wert von 961 Milliarden Dollar, die Goldman Sachs vom ersten Rang verdrängten. Goldman landet mit 891 Milliarden Dollar auf dem zweiten Podestplatz. JP Morgan (708 Milliarden Dollar) verteidigte Rang drei.

* In ihrem Heimatmarkt Deutschland besetzte die Deutsche Bank im Geschäft mit Anleihen und anderen Schuldpapieren (DCM) mit einem Marktanteil von 8,1 Prozent unangefochten den ersten Platz vor Unicredit, HSBC und JP Morgan. Das DCM-Volumen lag nach neun Monaten in Deutschland insgesamt bei rund 310 Milliarden Dollar.

* Bei Kapitalerhöhungen, Platzierungen und Börsengängen (ECM) fiel die Deutsche Bank dagegen vom ersten auf den vierten Platz zurück. Eine leichte Verbesserung: denn Mitte des Jahres war sie sogar auf den siebten Platz abgerutscht. Ganz oben auf der Liste finden sich JP Morgan, Goldman Sachs und die Bank of America. Das ECM-Volumen lag in der ersten drei Quartalen bei 27 Milliarden Dollar.

GRÖSSTE TRANSAKTIONEN:

* In der Liste der zehn größten Übernahmen des Jahres hat das dritte Quartal keine Spuren hinterlassen. Hier bleibt das Ranking des ersten Halbjahres unverändert bestehen - trotz der milliardenschweren Übernahme des Caravan-Herstellers Hymer, die allerdings erst nach Abschluss der League Tables für das zurückliegende Quartal bekannt wurde.

* Demnach ist und bleibt der bis dato größte Deal mit deutscher Beteiligung im laufenden Jahr die Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Sprint durch die Telekom-Tochter T-Mobile US, die sich inklusive Schulden auf 58,7 Milliarden Dollar summierte. Auf dem zweiten Platz steht weiterhin die Vereinbarung zwischen E.ON und RWE über einen Anteilstausch und die Zerschlagung der RWE-Ökostromtochter Innogy. Auf dem dritten Rang landet die Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone

STIMMEN ZU AKTUELLEN M&A-TRENDS

* “Das Marktumfeld ist – trotz jüngster makroökonomischer Unsicherheiten – weiterhin positiv für M&A-Transaktionen. Neben weiteren Konsolidierungstransaktionen, wie sie in dieser späten Phase des Zyklus zu beobachten sind, und dem anhaltenden Trend zu Vereinfachung von Konzernstrukturen durch Aufteilungen und Spin-offs, erwarten wir angesichts steigender regulatorischer Hürden etwa bei transatlantischen Transaktionen, dass auch grenzüberschreitende Zusammenschlüsse in Europa wieder vermehrt auf die Tagesordnung rücken werden”, sagt Berthold Fürst, bei der Deutschen Bank Co-Leiter Corporate Finance für den deutschsprachigen Raum.

* “Regulatorische Risiken machen Mega-Deals schwieriger, da zwischen Signing und Closing oft viel Zeit liegt und die Transaktionsrisiken zugenommen haben. Protektionismus kann sich bei kleineren bis mittelgroßen Transaktionen allerdings auch positiv auswirken, da Unternehmen zunehmend eine stärkere lokale Präsenz in einzelnen Märkten anstreben. Die Aktienkurse bewegen sich derzeit eher seitwärts und Übernahmeprämien gehen zurück - das kann als Katalysator für Transaktionen wirken”, sagt der Investmentbank-Chef von JP Morgan in Deutschland, Christian Kames.

“Chinesische Käufer, vor allem staatliche Konzerne, sind wesentlich vorsichtiger bei Zukäufen in Deutschland geworden. Neben der etwas restriktiveren deutschen Gesetzgebung liegt das vor allem daran, dass in China große schuldenfinanzierte Akquisitionen nicht mehr so gerne gesehen sind. Bei vielen Staatskonzernen hat es Generationswechsel im Management gegeben und die neuen CEOs sehen oft mehr politische Risiken als Chancen bei Akquisitionen in Übersee”, sagt der M&A Chef von Barclays in Deutschland, Heiko Mittelhamm.

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