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Wirtschaftsnachrichten

Zwischen Umsatzeinbruch und Existenzangst - "Gastgewerbe kämpft ums Überleben"

The Lobby of the Hotel Adlon is seen empty as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues in Berlin, Germany, April 7, 2020. Picture taken April 7, 2020. REUTERS/Axel Schmidt

Berlin (Reuters) - Die Gastwirte in Deutschland befürchten wegen der Virus-Pandemie massive Umsatzeinbußen in diesem Jahr.

Trotz zuletzt anziehender Geschäfte dürfte sich das Minus 2020 auf fast 50 Prozent belaufen, wie am Dienstag aus einer Firmen-Umfrage des Branchenverbands Dehoga hervorgeht. “Das Gastgewerbe kämpft ums Überleben”, sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick in Berlin. “Nach zehn Wachstumsjahren verzeichnen wir seit Anfang März Umsatzverluste historischen Ausmaßes.” Trotz mancherorts gut gefüllter Biergärten und Ferienhotels sei die Krise noch nicht vorbei. Fast 62 Prozent der Betriebe bangten um ihre Existenz.

Die Einschränkungen und Auflagen treffen die Branche hart. “Die Corona-Pandemie hat das Gastgewerbe in seine größte Krise der Nachkriegszeit gestürzt”, sagte Zöllick. Bereits im ersten Halbjahr gab es nach Daten des Statistischen Bundesamtes nominal 38,5 Prozent weniger Erlöse. “Für die Monate März bis Juni bedeutet das einen Umsatzverlust von 17,6 Milliarden Euro”, erklärte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Zudem lagen die Umsätze laut Verbandsumfrage auch in den Sommermonaten Juli und August immer noch 43 Prozent und 42 Prozent unter dem Vorjahr. Daraus eine Prognose für 2020 zu errechnen sei schwierig und hänge stark vom Pandemieverlauf ab, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. Branchenweit sei ein Umsatzminus zwischen 40 und 45 Prozent zu erwarten.

MASSIVES DISCO- UND CLUBSTERBEN BEFÜRCHTET

Während Urlaubshotels und Ausflugsrestaurants mit Terrassen und Biergärten mehr Nachfrage verzeichnen, sieht es beim Städtetourismus sehr düster aus. Denn Messen, Konferenzen sowie Kultur- und Sportveranstaltungen gibt es fast noch keine und Geschäftsreisende sowie internationale Besucher fehlen. “Die Situation der Stadt- und Tagungshotellerie sowie der Eventcaterer ist fatal”, sagte Zöllick. Katastrophal sei auch die Lage bei Discotheken und Clubs, für die es noch keine Öffnungsperspektive gebe. “Die Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand und befürchten ein massives Disco- und Clubsterben.”

Die Umsatzeinbrüche treffen auch Jobs. Bis Ende April waren eine Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit und damit 90 Prozent des gesamten Personals im Gastgewerbe. Noch könnten Kneipenbesitzerinnen und Hoteliers die Belegschaft halten, sagte Zöllick. Dies könne sich jedoch ändern, “wenn nicht in vier, fünf Monaten einen neue Normalität eintritt”. Dies gelte vor allem für Eventcaterer, Clubs und Discos. Firmen sollten aber eher nicht mit gesenkten Preisen versuchen Gäste dauerhaft zu locken, warnte der Dehoga-Präsident. Die Menschen könnten sicher “nachvollziehen, dass es nicht billiger werden kann”.

Die Lobby der Gastwirte fordert weitere Hilfen der Politik für existenziell betroffene Firmen. In der Dehoga-Umfrage gaben rund 65 Prozent der Betriebe an, dass die bisher von Bund und Ländern angebotenen Liquiditätshilfen und Kreditprogramme nicht ausreichten, um zu überleben. Die Hilfen müssten nicht nur verlängert, sondern auch erhöht und bürokratisch einfacher werden, forderte Zöllick. Zudem sollte es Unternehmen rechtlich leichter fallen, in der Krise etwa die Pacht zu mindern. Ferner sollte die Politik die Mehrwertsteuer auf Speisen über die Frist Ende Juli 2021 hinaus dauerhaft senken und dies zumindest auf alkoholfreie Getränke ausweiten.

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