September 27, 2012 / 11:54 AM / in 8 years

EZB: Kreditvergabe in Euro-Zone schrumpft erneut

Berlin/Frankfurt (Reuters) - Trotz der lockeren Geldpolitik der EZB schrumpfen die Banken-Kredite an Firmen und Privathaushalte in der Euro-Zone.

Die Darlehensvergabe nahm im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,6 Prozent ab, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mit. Besonders schwach fiel die Kreditvergabe in den von der Schuldenkrise gebeutelten Ländern Spanien und Italien aus, während sie in den meisten Kernstaaten der Währungszone anzog.

Die Vergabe von Krediten an Firmen verringerte sich im August im Monatsvergleich um zehn Milliarden Euro, nachdem sie noch im Juli um acht Milliarden Euro angezogen hatte. Ein anderes Bild bietet sich bei den Krediten an die Haushalte: Sie legten um sieben Milliarden Euro zu, nachdem sie im Vormonat um eine Milliarde Euro geschrumpft waren.

Die EZB hatte den Leitzins Anfang Juli auf das Rekordtief von 0,75 Prozent gesenkt, um damit der Konjunktur neue Impulse zu verleihen und auch die Kreditvergabe anzukurbeln. Angesichts der Konjunkturflaute in der Euro-Zone denken EZB-Notenbanker vor der nächsten Ratssitzung am 4. Oktober bereits laut über einen noch niedrigeren Schlüsselzins nach. Zumindest hat die Zentralbank nach den Worten ihres slowakischen Ratsmitglieds Jozef Makuch noch Spielraum. Die unter der Vertrauenskrise leidenden Banken am Rand der Euro-Zone müssen zumeist auf die Kreditlinien der EZB zurückgreifen. Die Geldinstitute in den von der Schuldenkrise weitgehend unberührten Kernstaaten der Währungszone können sich hingegen am Markt zum vergleichsweise niedrigen Zins von 0,1 Prozent mit frischem Geld eindecken.

REFINANZIERUNGSKOSTEN IN EUROLAND SOLLEN SICH ANGLEICHEN

“Die EZB sieht die fragmentierten Finanzmärkte offenbar als einer der Gründe für die niedrige Kreditdynamik an”, sagt Commerzbank-Experte Michael Schubert. Die Notenbank rechtfertige damit auch ihre Pläne für ein neues Bondankaufprogramm, das die Märkte für Unternehmens- und Bankanleihen stabilisieren könne. Damit will EZB-Chef Mario Draghi erreichen, dass sich letztlich die Refinanzierungskosten für die Realwirtschaft zwischen Lissabon und Helsinki wieder angleichen.

Darüber hinaus denkt die Europäische Zentralbank (EZB) offenbar über zusätzliche Maßnahmen nach. EZB-Ratsmitglied Luc Coene hatte vor kurzem darauf hingewiesen, dass die Zentralbank langfristige Tender-Operationen mit privaten Kreditforderungen als Sicherheiten starten könnte. “Diese sind typischerweise Kredite an Unternehmen oder Haushalte, so dass Refinanzierungsgeschäfte ausschließlich auf Basis solcher Sicherheiten dazu führen könnten, das Kreditangebot zu beleben”, erläutert Schubert.

GELDMENGE WÄCHST LANGSAMER ALS ERWARTET

Das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 lag im August bei 2,9 Prozent und damit unter dem von den Analysten erwarteten Wert von 3,2 Prozent. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Juni bis August) erhöhte sich M3 wie im Vormonat um 3,2 Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine stark wachsende Geldmenge signalisiert Inflationsgefahr. Daher achtet die EZB im Rahmen ihrer monetären Analyse verstärkt auf die Entwicklung von M3.

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