August 26, 2010 / 2:10 PM / 9 years ago

Ärzte geben elektronischer Gesundheitskarte derzeit keine Chance

Berlin (Reuters) - Ärzteverbände geben der seit langem geplanten Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte derzeit keine Chance.

“In der gegenwärtigen Konstellation wird da nichts draus werden”, sagte der Vize-Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, am Donnerstag in Berlin. Derart umstrittene Vorhaben könnten nicht gegen den Willen der Beteiligten umgesetzt werden, sagte der Ärztefunktionär. Der Widerstand vieler Ärzte werde erst schwinden, wenn deren Misstrauen ausgeräumt sei. Dafür sieht Montgomery aber Chancen. “Daher bin ich guter Hoffnung, das früher oder später diese Karte doch kommt”, sagte er. Dazu müsse es aber Änderungen gegenüber der ursprünglichen Planung geben.

Vor allem gelte es, Bedenken mit Blick auf den Datenschutz auszuräumen. Es müsse zudem klar sein, dass sie nicht als Machtinstrument im Ringen um Reformen im Gesundheitswesen genutzt werde. Schließlich müsse den Ärzten ein konkreter Mehrwert der Karte vermittelt werden.

Nach den Vorstellungen des zuständigen Ausschussvorsitzenden der Kammer, Franz-Josef Bartmann, sollte die Karte nicht, wie einmal in der Diskussion, als umfassendes Speichermedium für alle denkbaren Patienteninformationen genutzt werden. Neben der Funktion als Sicherheitsschüssel für vertrauliche Informationen über Patienten sollten vielmehr nur ausgewählte Daten darauf gespeichert sein, wie etwa Notfalldaten für Akutfälle.

Eine Umfrage unter Ärzten im Auftrag der Kammer ergab, dass eine große Mehrheit der Telematik und der Telemedizin, also der Nutzung moderner Informationstechniken in Verwaltung und ärztlicher Praxis, eine große und noch wachsende Bedeutung zumisst. Allerdings unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen Krankenhaus- und niedergelassenen Ärzten erheblich. Die Krankenhausärzte stehen demnach elektronischen Mitteln bis hin zur “elektronischen Patientenakte”, die über Netzwerke Kollegen zugänglich gemacht werden kann, offener gegenüber als die niedergelassenen Ärzte. Bartmann begründete das unter anderem damit, dass Krankenhausärzte in der Regel ihre Patienten vor akuten Krankheitsfällen nicht kennen und daher entscheidend auf Vorinformationen von Kollegen angewiesen sind. Dagegen kenne der traditionelle Hausarzt seine Patienten über Jahre und spüre daher wenig Anreize, diese Informationen elektronisch aufzubereiten und Kollegen zugänglich zu machen.

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