February 24, 2009 / 2:21 PM / 10 years ago

Experten rechnen 2010 mit Schub bei Klinikprivatisierungen

Berlin, 24. Feb (Reuters) - Als Folge der Wirtschaftskrise erwarten Experten für das kommende Jahr einen Schub bei den Klinikprivatisierungen. 2009 erhielten die Krankenhäuser zunächst mehr Geld durch die Finanzierungsreform und profitierten zugleich vom Konjunkturpaket der Bundesregierung, sagte Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) am Dienstag in Berlin. “Dafür kommt es 2010 mit voller Wucht.” Auch 2011 stünden zahlreiche Privatisierungen an.

Der Chef des Klinikbetreibers Mediclin(MEDG.DE), Ulrich Wandschneider, bestätigte die Einschätzung, im nächsten Jahr werde es aufgrund der Wirtschaftskrise “durchaus ein höheres Maß an Privatisierungen geben”. Wegen ihrer klammen Kassen seien die Kommunen in der Krise schneller bereit, öffentliche Krankenhäuser abzugeben, sagte der Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik (IfG), Günter Neubauer. Der Vorstandschef des Krankenhausbetreibers Rhön-Klinikum (RHKG.DE), Wolfgang Pföhler, rechnet auch mit weiteren Privatisierungen von Unikliniken. In diesem Sektor werde sich 2010 der Druck ebenfalls verschärfen, sagte er. Bislang sei aber kein Landesstandort ausgeschrieben worden.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK) ist die Zahl der Kliniken in privater Trägerschaft von 1996 bis 2007 um 41,6 Prozent gestiegen. Ihr Marktanteil betrage rund 28 Prozent. Die Anzahl der Hospitäler in öffentlicher Trägerschaft sei um gut 31 Prozent gesunken, die der freigemeinnützigen um knapp 19 Prozent. Kritiker wie die Bundesärztekammer werfen den privaten Klinikbetreibern vor, sie betrieben bei der Auswahl von Standorten “Rosinenpickerei” und strebten zulasten der Patienten nach Gewinnmaximierung und beuteten ihre Mitarbeiter aus.

Eine vom BDPK in Auftrag gegebene Studie von IfG und RWI widerlege solche Aussagen aber, sagte Forscher Augurzky. So sei der Anteil ländlicher Krankenhäuser bei privaten Trägern größer als bei freigemeinnützigen Betreibern. Auch gebe es keine Unterschiede in der Qualität der Behandlung. Patienten in privaten Kliniken seien im Durchschnitt sogar älter und litten an komplexeren Erkrankungen. Für den einzelnen stünden mehr Ärzte und Pfleger bereit. Geringere Personal- und Sachkosten der privaten Betreiber seien auf eine effizientere Organisation zurückzuführen.

Reporter: Thorsten Severin; redigiert von Christoph Dreyer

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