May 4, 2010 / 1:11 PM / 9 years ago

Arznei-Ausgaben der Kassen steigen ungebremst weiter

Berlin (Reuters) - Die Arzneimittel-Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung steigen auch in diesem Jahr ungebremst weiter. I

m ersten Quartal hätten die Kassen für Medikamente 5,5 Prozent mehr aufwenden müssen als im selben Zeitraum des Vorjahres, teilte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) am Dienstag in Berlin mit. Damit steigt der Kostendruck auf die rund 170 Kassen, von denen immer mehr Zusatzbeiträge von ihren Versicherten erheben. Auch der Marktführer Barmer GEK will bei einem weiter wachsenden Defizit spätestens im nächsten Jahr von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, wie seine Chefin Birgit Fischer sagte.

Insgesamt gaben die Krankenkassen im ersten Quartal rund 6,9 Milliarden Euro für Arzneimittel aus. Im gesamten Jahr 2009 waren es mehr als 30 Milliarden Euro - ein Plus von 5,3 Prozent.

Angesichts der weiter steigenden Arzneiausgaben wächst der Druck auf die schwarz-gelbe Koalition, den Kassen Spielräume für Einsparungen zu eröffnen. Das Kabinett hatte vergangene Woche Eckpunkte für ein Arzneipaket verabschiedet. Dieses soll bis Ende des Jahres unter Dach und Fach sein. Kurzfristige Maßnahmen wie ein höherer Zwangsrabatt und ein Preismoratorium sollen allerdings vorgezogen werden und zum 1. August in Kraft treten.

Ein ABDA-Sprecher bezeichnete den Anstieg der Ausgaben für Medikamente in den ersten drei Monaten als moderat. Er verwies darauf, dass das erste Quartal einige Arbeitstage mehr als im vergangenen Jahr aufgewiesen habe, da Ostern 2009 im März gelegen habe. Zudem seien in den Zahlen die Einsparungen durch Rabattverträge der Kassen mit Pharmafirmen nicht enthalten.

BVA: 13 KRANKENKASSEN HABEN ZUSATZBEITRÄGE BEANTRAGT

Nach Angaben des Bundesversicherungsamts haben bislang 13 Kassen Zusatzbeiträge beantragt und genehmigt bekommen. Die meisten erheben acht Euro, zwei allerdings auch den Höchstsatz von einem Prozent des Einkommens, also maximal 37,50 Euro pro Monat.

Für die Barmer sagte Vorstandschefin Birgit Fischer der “Südwest Presse”: “Wenn das Defizit größer wird, muss jede Kasse einen Zusatzbeitrag erheben, auch die Barmer GEK, spätestens im nächsten Jahr.” Ob sogar schon dieses Jahr Extrabeiträge fällig würden, hänge von der Wirksamkeit weiterer Maßnahmen zur Kostensenkung etwa im Arzneibereich ab. Ein Barmer-Sprecher verwies auf steigende Ausgaben bei Kliniken, Arzneimitteln und Arzthonoraren und sprach von einer “politisch gewollten Unterfinanzierung des Gesundheitsfonds”. Er forderte eine rechtzeitige Erhöhung des allgemeinen Beitragssatzes und ausreichend Steuermittel.

Die SPD warf der Bundesregierung eine Verzögerungstaktik vor. Ebenso wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Griechenland-Krise versuche Fachminister Philipp Rösler (FDP) in der Gesundheitspolitik, wichtige Reformen auf die Zeit nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zu verschieben, um keine Wähler zu verprellen, monierte SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann. “Diese Tatenlosigkeit lässt die Kosten im Gesundheitswesen immer weiter aus dem Ruder laufen.” Am Ende müssten dies die Versicherten finanzieren.

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