April 24, 2018 / 12:09 PM / a month ago

Techniker Krankenkasse prescht mit elektronischer Patientenakte vor

Berlin (Reuters) - Als erste gesetzliche Krankenkasse hat die TK eine bundesweite elektronische Patientenakte gestartet und setzt damit ihre Konkurrenten und die Politik unter Zugzwang.

Health Minister Jens Spahn arrives at German government guesthouse Meseberg Palace in Meseberg, Germany, April 10, 2018. REUTERS/Fabrizio Bensch

Den mehr als zehn Millionen Versicherten soll es künftig möglich sein, ihre Gesundheits- und Krankheitsdaten an einem Ort zu speichern und mit dem Smartphone selbst zu managen. Sie sollen über die App der Techniker Krankenkasse auf einen digitalen Datentresor zugreifen können. Auch Arztbriefe und Röntgenbilder sollen in der am Dienstag in Berlin vorgestellten Gesundheitsakte hochgeladen werden können. Kassenchef Jens Baas erhofft sich langfristig Kostenersparnisse bei einer gleichzeitig besseren Versorgung.

Entwickelt wurde “TK-Safe” mit IBM Deutschland. Die elektronische Akte läuft laut Baas erfolgreich im Testbetrieb. Für einen weiteren Anwendertest könnten sich Versicherte nun registrieren. Noch in diesem Jahr sollten dann alle Versicherten die Gesundheitsakte nutzen können, wenn sie es wollen.

Bislang liegen medizinische Daten dezentral bei Ärzten und Krankenhäusern, Therapeuten und Krankenkassen. Union und SPD planen im Zuge der Fortentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte den Aufbau einer “elektronischen Patientenakte” bis zum Jahr 2021. Gesundheitsminister Jens Spahn will die elektronische Gesundheitskarte, die eigentlich schon vor mehr als zehn Jahren mit ihren Anwendungen zur Verfügung stehen sollte, in den nächsten dreieinhalb Jahren massiv vorantreiben. Allerdings hat der CDU-Politiker betont, dass er bei den Anwendungen keine “Insellösungen” möchte.

Das Ministerium erklärte denn auch, “die Interoperabilität” mit den Systemen der Ärzte und Krankenhäuser müsse sichergestellt werden. Die zuständige Gesellschaft “gematik” erarbeite entsprechende Spezifikationen, Schnittstellen und Zulassungsvoraussetzungen. Bis Ende dieses Jahres sollten die Voraussetzungen für die Einführung einer Patientenakte geschaffen werden. Die Projekte einzelner Kassen könnten wichtige Impulse liefern.

Baas sagte, es gehe seiner Kasse nicht um eine Insellösung. Es dürfe auf keinen Fall fünf verschiedene Patientenakten geben, sonst sei das Thema tot. “Wir müssen dafür sorgen, dass es einen Standard an Akten gibt.” Die TK sei mit anderen Kassen im Gespräch, die ebenfalls solche Gesundheitsakten entwickelten. Allerdings könne es zwischen den Kassen durchaus einen Wettbewerb darüber geben, was man mit der Akte machen könne.

In die TK-Akte soll direkt alles fließen, was die Kasse selbst an Daten gespeichert hat - von Arztbesuchen, Diagnosen und verordneten Medikamenten bis hin zu Kosten. Hinzu sollen Daten von Ärzten und Kliniken kommen und auf längere Sicht auch von anderen Apps und Fitnesstrackern. Auch sollen laut Baas eigene Daten, etwa zu selbst gekauften Medikamenten, hinzugefügt werden können. Das alles sei durch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung sicher. Die Versicherten sollten entscheiden können, was sie speichern wollten und welchem Arzt sie die Angaben zur Verfügung stellten wollten. Weder die TK noch IBM hätten Zugang zu den Daten, versicherte IBM-Deutschland-Chef Matthias Hartmann. Beteiligt sind zu Beginn 16 Kliniken der Agaplesion-Gruppe. Weitere Betreiber, die die Hälfte aller Klinikbetten abdeckten, haben laut TK Interesse geäußert.

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