July 7, 2011 / 2:01 PM / 9 years ago

Embryonen-Gentests unter strengen Auflagen möglich

Berlin (Reuters) - Gentests an Embryonen sind in Deutschland künftig unter strengen Voraussetzungen zulässig.

Der Bundestag billigte am Donnerstag einen Gesetzentwurf, der die Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) bei Paaren für zulässig erklärt, die eine Veranlagung für eine schwerwiegende Erbkrankheit in sich tragen oder bei denen mit einer Tot- oder Fehlgeburt zu rechnen ist. Um Missbrauch zu vermeiden, wird eine Beratungspflicht eingeführt. Außerdem muss eine Ethik-Kommission zustimmen. Die PID darf nur an wenigen lizenzierten Zentren vorgenommen werden.

Mit der Entscheidung setzte das Parlament unter die monatelange Debatte über die PID einen Schlussstrich. Bei dieser werden durch künstliche Befruchtung erzeugte Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib auf Erbkrankheiten und Gendefekte untersucht, um gegebenenfalls aussortiert zu werden. Für den Antrag um die Abgeordneten Ulrike Flach (FDP), Peter Hintze (CDU) und Carola Reimann (SPD) stimmten 326 Abgeordnete, 260 votierten mit Nein.

Insgesamt standen drei fraktionsübergreifende Gruppenanträge zur Abstimmung. Entsprechend gespalten zeigte sich das Parlament in der mehr als vierstündigen emotionalen Aussprache. Große Unterstützung hatte zuvor ein Antrag für ein striktes Verbot des umstrittenen Verfahrens erhalten, hinter den sich auch Kanzlerin Angela Merkel gestellt hatte.

KRITIKER SPRECHEN VON “ZEUGUNG AUF PROBE”

Für die PID-Gegner betonte Unionsfraktionschef Volker Kauder, der Prozess menschlichen Lebens beginne mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Die Zulassung der PID werde brutale gesellschaftliche Konsequenzen haben. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte, die PID verhindere in einzelnen Fällen zwar Leid. “Aber sie verhindert in jedem Fall das Lebensrecht von gezeugtem menschlichen Leben.” Der Patientenbeauftragte Wolfgang Zöller (CSU) monierte, bei der PID werde zwischen lebenswert und nicht lebenswert unterschieden. Sie stelle quasi eine “Zeugung auf Probe” dar.

Als Befürworter des mit breiter Mehrheit verabschiedeten Antrags betonte der CDU-Politiker Hintze, Eltern in einer schweren Notlage dürften nicht einer “rigiden Moral” unterworfen werfen. Sie hätten Angst, etwa den qualvollen Tod eines Kindes oder eine Totgeburt erneut miterleben zu müssen. Flach verwies darauf, dass Erbkrankheiten, die durch die PID nicht entdeckt würden, zu einer straffreien Abtreibung führen könnten. Dies sei für die Frau ein weitaus gefährlicherer Eingriff. Die begrenzte Zulassung der PID sei zudem kein Dammbruch, denn es gehe um wenige hundert Fälle pro Jahr. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) betonte, niemand entscheide sich leichtfertig zu einer künstlichen Befruchtung und einer PID. Paare, die diesen Weg gingen, hätten meist eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Sie müssten den Freiraum erhalten, medizinisches Wissen zu nutzen.

KATHOLISCHE BISCHÖFE ÜBER ENTSCHEIDUNG ENTTÄUSCHT

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz, die sich für ein klares Verbot der PID eingesetzt hatte, bedauerte die Entscheidung “zutiefst”. “Die Selektion von menschlichen Embryonen verstößt gegen das Achtungsgebot der Menschenwürde, die jedem Menschen von Anbeginn zuteil ist”, sagte der Vorsitzende Robert Zollitsch. Der Freiburger Erzbischof appellierte an den Gesetzgeber, die Ausnahmefälle für die PID eng zu umgrenzen. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, würdigte den Beschluss hingegen, bezeichnete ihn aber als “zu weitgehend”.

Bundesärztekammer-Präsident Frank-Ulrich Montgomery versprach, die Ärzte übernähmen Verantwortung dafür, dass die Untersuchung unter kontrollierten Bedingungen und nach fachkundiger Beratung angewendet werde. Die PID werde kein Routineverfahren werden.

Keine Chance hatte der Antrag einer Gruppe um den SPD-Abgeordneten Rene Röspel. Dieser sah vor, die PID für “nicht rechtswidrig” zu erklären, wenn eine erbliche Vorbelastung der Eltern eine Tot- oder Fehlgeburt erwarten lässt.

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