April 23, 2020 / 6:20 AM / a month ago

Viruskrise drückt Konsumklima auf Rekordtief

FILE PHOTO: The skyline with its financial district is photographed during sunset in Frankfurt, Germany, April 22, 2020, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo

Berlin (Reuters) - Die Viruskrise drückt die Verbraucherstimmung in Deutschland auf ein historisches Tief.

Für Mai sagen die GfK-Marktforscher einen Einbruch ihres Barometers um 25,7 Zähler auf minus 23,4 Punkte voraus. “Das Konsumklima befindet sich derzeit im freien Fall”, erläuterte GfK-Experte Rolf Bürkl am Donnerstag. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf minus 1,8 Punkte gerechnet. Die Bürger wurden in den ersten beiden Aprilwochen befragt, als sie laut den Nürnberger Marktforschern erstmals das volle Ausmaß der Eindämmungsmaßnahmen wie etwa Schul- und Geschäftsschließungen zu spüren bekamen. Mittlerweile steigt allerdings die Hoffnung, dass sich mit der Wiederbelebung der Innenstädte nach der Öffnung von einigen Läden auch die Kassen der Einzelhändler wieder füllen.

“Der Einzelhandel kann etwas aufatmen, die seit dieser Woche geltenden Lockerungen bringen ihm teilweise eine spürbare Entspannung, die sich an der Anzahl von Passanten in deutschen Innenstädten ablesen lässt”, sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr zu aktuellen Daten, die von seinem Kieler Institut für Weltwirtschaft ausgewertet wurden. Demnach hat die Lockerung in Nordrhein-Westfalen deutlich stärkere Effekte gebracht als in Bayern, wo strengere Regeln in Kraft sind. “Nimmt man an, dass der Umsatz proportional zu den Passantenzahlen ist, dann lagen die Einbußen während des harten Lockdowns zwischen 92 Prozent (München) und 71 Prozent (Frankfurt) und erholen sich nun”, erklärte Felbermayr. Die tatsächlichen Umsätze könnten sogar noch etwas höher sein, wenn die Kunden ihre Ausgaben pro Innenstadtbesuch im Vergleich zur Normalsituation erhöhten.

“VERUNSICHERUNG IST RIESIG”

Dennoch erwartet Konsumforscher Bürkl von der GfK noch keine baldige Rückkehr zur Normalität: “Handel, Hersteller und Dienstleister müssen sich auf eine unmittelbar bevorstehende, sehr schwere Rezession einstellen.” Da sich nun abzeichne, dass die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 aus Vorsichtsgründen nur sehr langsam gelockert würden, dürften auch dem Konsumklima in den nächsten Monaten “schwierige Zeiten bevorstehen”.

Das Barometer für die Einkommenserwartungen der Verbraucher zeigt demnach “einen beispiellosen Absturz”: Der Indikator verlor im April gegenüber dem Vormonat 47,1 Zähler und sackte auf minus 19,3 Punkte: Niemals seit Beginn der monatlichen Erhebung zur Verbraucherstimmung im Jahre 1980 wurde hier ein höherer Rückgang gemessen.

Auch die Bereitschaft der Konsumenten, teure Anschaffungen wie etwa Autos oder Möbel zu tätigen, ist angeknackst. Das Barometer dazu verlor 36 Zähler und rutschte auf minus 4,6 Punkte. Im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres steht laut GfK ein Minus von knapp 58 Punkten zu Buche. “Die Verunsicherung unter den Konsumenten ist derzeit riesig”, so das Fazit von Bürkl. Viele hätten Einkommenseinbußen erlitten, zudem sei die Angst vor Jobverlust bei vielen Beschäftigten stark gestiegen: “Dies ist ein beträchtliches Konsumhemmnis.”

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below