April 19, 2018 / 7:51 AM / 6 months ago

Viele Deutsche fühlen sich ungenügend vor Globalisierung geschützt

Berlin (Reuters) - Eine knappe Mehrheit der Deutschen fühlt sich von der Politik nicht ausreichend gegen negative Effekte der Globalisierung geschützt.

Activists from the anti-globalisation organisation Attac hold placards reading "Stop the tax tricks" during the protest against alleged tax evasion by Apple company in front of an Apple store in Frankfurt, Germany, March 10, 2018. REUTERS/Ralph Orlowski

Zwar bewerten 70 Prozent den wachsenden Welthandel grundsätzlich als positiv, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage unter 2000 Personen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. 52 Prozent fühlen sich aber von der Bundesregierung nicht genügend gegen dessen nachteilige Folgen abgesichert. In anderen großen Industriestaaten ist das Schutzbedürfnis sogar noch stärker ausgeprägt: In Frankreich fordern dies 75 Prozent, in den USA 61 Prozent und in Großbritannien 59 Prozent.

“Die Menschen wünschen sich eine Globalisierung mit Sicherheitsgurt”, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus. “Auf das Schutzbedürfnis der Bürger sollten Politik und Wirtschaft aber nicht mit protektionistischen Irrwegen reagieren. Globalisierung ist kein Schicksal, sondern ein Prozess, den wir gestalten können und müssen.”

Die Bundesbürger begrüßen zwar ausländische Investitionen in ihrem Land, sehen Firmenübernahmen durch fremde Unternehmen aber sehr kritisch. 53 Prozent bewerten Auslandsinvestitionen gut bis sehr gut, während fast zwei Drittel Firmenübernahmen aus dem Ausland für wenig bis gar nicht vorteilhaft halten. 57 Prozent der Deutschen glauben nicht, dass die Globalisierung die Einkommen steigen lässt. 55 Prozent befürchten sogar eine steigende soziale Ungleichheit. Auch sind 42 Prozent darüber besorgt, dass sich der internationale Handel negativ auf die Arbeitsplatzsicherheit auswirkt.

“Weltweit profitiert kaum ein Land so stark von Freihandel und Globalisierung wie Deutschland”, sagte Christian Bluth, Wirtschaftsexperte und Leiter der Umfrage bei der Bertelsmann Stiftung. “Dennoch stellt der durch Globalisierung verursachte Strukturwandel auch in Deutschland viele Bürger vor Herausforderungen.” Daher sei es wichtig, internationale Offenheit durch einen effizienten und modernen Sozialstaat zu begleiten. Nur so könne der gesellschaftliche Konsens für Handelsoffenheit gestärkt und eine protektionistische Politik vermieden werden.

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