June 21, 2018 / 12:31 PM / 3 months ago

Verfassungsschutz besorgt wegen weltweiter Hackerattacke

Potsdam (Reuters) - Der Bundesverfassungsschutz warnt vor einer laufenden weltweiten Cyber-Angriffskampagne unter dem Namen “Berserk Bear”, die nach seiner Einschätzung die öffentliche Sicherheit gefährdet.

A hooded man holds a laptop computer as cyber code is projected on him in this illustration picture taken on May 13, 2017. Capitalizing on spying tools believed to have been developed by the U.S. National Security Agency, hackers staged a cyber assault with a self-spreading malware that has infected tens of thousands of computers in nearly 100 countries. REUTERS/Kacper Pempel/Illustration

Der Angreifer klopfe an sensiblen Stellen systematisch Schwachstellen ab “und er steigt überall ein, wo er reinkommt, er nimmt alles mit, was er kriegen kann”, sagte Behördenpräsident Hans-Georg Maaßen am Donnerstag bei der Konferenz für Nationale Cybersicherheit in Potsdam. Damit verlasse die Angriffskampagne das Feld klassischer Cyberspionage, “so dass wir bereits von strategischen Vorbereitungshandlungen für weltweite Sabotagepotenziale und damit von einer besonderen Gefährdung unserer Sicherheit ausgehen müssen”.

Maaßen bekräftigte, der Modus Operandi und weitere Indizien deuteten auf eine russische Steuerung der Kampagne hin. Die international tätige Cybergruppierung richte ihre Aktivitäten auch gegen deutsche Unternehmen, insbesondere im Energiesektor aber auch in anderen kritischen Bereichen. Den Angreifern sei es nach Erkenntnissen des Bundesamts gelungen, Konfigurationsdaten von weltweit etwa 26.000 Routern zu erlangen. Diese sollten offenbar genutzt werden, um sich einen umfassenden Zugriff auf die Router zu verschaffen. Bei den befallenen 26.000 Routern handle es sich wahrscheinlich bislang nur um die “Spitze des Eisbergs”.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte vergangene Woche öffentlich gemacht, dass deutsche Unternehmen aus der Energiewirtschaft Ziel einer großangelegten weltweiten Cyber-Angriffskampagne seien. Es gebe aber keine Hinweise auf erfolgreiche Zugriffe auf Produktions- und Steuerungsnetzwerke der Versorger. In einigen Fällen sei es den Angreifern gelungen, auf Büro-Netzwerke der Unternehmen zuzugreifen. BSI-Präsident Arne Schönbohm sagte, die Hacker versuchten, über die normalen Büronetzwerke in sicherheitsrelevante Bereiche vorzudringen.

Insgesamt nehme die Quantität und Qualität von Kampagnen durch ausländische Geheimdienste zu, sagte Maaßen. Besonders die Nachrichten- und Sicherheitsdienste Russlands, Chinas und des Irans, aber auch etwa Nordkoreas nutzten diese Mittel. Nicht zuletzt die Türkei sei zu einem Akteur im Cyberraum geworden, dessen steigende Fähigkeiten ernst genommen würden. “Die nationale Sicherheitslage Deutschlands wird immer stärker durch die nationale Cyber-Sicherheitslage definiert”, sagte Maaßen.

Vor Journalisten sagte er, oftmals gehe es bei Sabotageangriffen gar nicht darum, sofort Aktionen zu verüben oder Informationen abzuziehen. Vielmehr verführen die Hacker etwa im Falle des Iran nach dem Motto “Wer weiß, wofür das gut ist.” Dabei gehe es darum, an Netzknoten präsent zu sein.

BKA-Chef Holger Münch verwies auf die auf 86.000 Fälle gestiegene Zahl von Cybercrime. Zugleich mahnte er mehr Kompetenzen für die Polizei an, etwa wenn es um die Kommunikationsüberwachung gehe. Die Täter müssten einen Verfolgsdruck spüren, überführt und verurteilt werden können. Benötigt werde “ein Recht 4.0”.

Münch verwies insbesondere auf das Darknet im Internet, wo alles für Cyberangriffe Notwendige eingekauft werden könne. Hier würde zumeist mit digitaler Währung gearbeitet und unter anderem Namen Geschäfte gemacht. Herkömmliche Ermittlungsmethoden stießen an ihre Grenzen. Auch bei den Kryptowährungen tue Regulierung Not.

Der Staatsminister im Bundeskanzleramt, Hendrik Hoppenstedt, betonte, die Fähigkeiten der Sicherheitsbehörden zur Cyberabwehr müssten permanent ausgebaut werden. Es gehe etwa darum, künftig bei massiven gegen deutsche Ziele gerichteten IT-Angriffen aktive Gegenmaßnahmen fahren zu können. Klar sei, dass solche Mittel stets nur die Ultima Ratio sein könnten und verhältnismäßig erfolgen müssten.

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