March 26, 2009 / 5:14 PM / 10 years ago

Heidelberger Druck entlässt Tausende Beschäftigte

Stuttgart (Reuters) - Als erstes deutsches Großunternehmen will Heidelberger Druck wegen der Wirtschaftskrise Tausende Beschäftigte entlassen.

Bis Jahresende sollen 5000 der zuletzt 20.000 Stellen gestrichen werden, kündigte der weltgrößte Druckmaschinenbauer am Donnerstag überraschend an. Damit beschwört das Unternehmen einen Konflikt mit der Gewerkschaft IG Metall herauf, da der bis 2012 geltende Kündigungsschutz für die überwiegend deutsche Belegschaft nicht eingehalten wird. Die Gewerkschaft fordert, die Absatzkrise statt mit betriebsbedingten Kündigungen mit Kurzarbeit bis weit ins nächste Jahr hinein durchzustehen.

Konkurrent Koenig & Bauer teilte mit, seine Belegschaft in diesem Jahr um mehr als 800 auf 7000 Mitarbeiter zusammenzustreichen. Nach einem Verlust 2008 tauscht das Würzburger Unternehmen zudem den Vorstandschef aus.

“Heidelberger Druck hat schon eine schwierige Zeit hinter sich, die kommenden Monaten werden aber noch schwieriger”, begründete Vorstandschef Bernhard Schreier den Kahlschlag. Heidelberger Druck hatte bislang den Abbau von nur 2500 Arbeitsplätzen angekündigt und wollte auf Kündigungen möglichst verzichten. Die Nachfrage - zuletzt bereits auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren - schrumpft allerdings beständig weiter. Da sich keine Belebung abzeichne, müsse der Weltmarktführer “entschieden handeln”, um die Kosten und die Kapazitäten zu senken, betonte Schreier. Kurzarbeit und Abfindungen reichten nicht mehr aus, um das rote Zahlen schreibende Unternehmen durch die Krise zu bringen. Die Auftragslage zeige, dass in dem im April beginnenden neuen Geschäftsjahr 2009/10 der Umsatz abermals schrumpfen werde.

Wegen des Konjunktureinbruchs in Folge der Finanz- und Bankenkrise haben zahlreiche Unternehmen bereits Zehntausende Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt. Betroffen sind neben der kriselnden Autoindustrie insbesondere die Stahlkocher, der Maschinenbau sowie die Luftfahrt- und Tourismusindustrie. Jobgarantien verhindern bislang betriebsbedingte Kündigungen. Dennoch sind in den vergangenen Monaten Tausende Jobs verloren gegangen. BMW und ThyssenKrupp etwa zahlten Abfindungen, entließen Leiharbeiter oder besetzten freie Stellen nicht wieder.

“EINE ABWRACKPRÄMIE FÜR DRUCKMASCHINEN WÄRE SCHÖN”

Außerdem sieht sich Heidelberger Druck dazu gezwungen, die Investitionen von zuletzt rund 200 Millionen Euro zu halbieren. Durch die Kürzungen sollen bis zum Jahr 2011 rund 400 Millionen Euro eingespart werden. Bisher hatte der Vorstand Einsparungen von 200 Millionen Euro für ausreichend erachtet, um die Durststrecke durchzustehen, die nach Analysteneinschätzungen noch lange dauern kann.

Wegen der Konjunkturflaute kaufen die nur schwach ausgelasteten Druckereien bei Heidelberger und den Konkurrenten Manroland, Koenig & Bauer sowie Ryobi und Komori kaum noch neue Maschinen. Zudem zögern die Banken, für den Maschinenkauf neue Kredite an die zumeist mittelständischen Druckereien zu vergeben. “Eine Abwrackprämie für Druckmaschinen wäre schön”, sagte HeidelDruck-Chef Schreier.

Koenig & Bauer schrieb im vergangenen Jahr unterm Strich rund 80 Millionen Euro Verlust. Der Umsatz sank um gut zehn Prozent auf 1,532 Milliarden, für 2009 wird ein weiterer Rückgang von um die 20 Prozent erwartet. Gegensteuern soll der Sanierungsexperte und bisherige Finanzvorstand Helge Hansen, der Konzernchef Albrecht Bolza-Schünemann ab sofort ablöst.

Heidelberger Druck will den 2007 verlängerten Vertrag zur Beschäftigungssicherung einseitig per Ende Juni kündigen, um überhaupt Kündigungen aussprechen zu können. Die IG Metall kündigte Proteste an. “Notwehr ist angesagt”, hieß es in einer Erklärung der Gewerkschaft.

Die einseitige Kündigung des Tarifvertrags könnte nach Einschätzung von Gewerkschaftern ein Dammbruch sein. Viele Großunternehmen haben Kündigungen für die nächsten Jahren ausgeschlossen und ihren Beschäftigten damit Sicherheit gegeben.

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