May 14, 2014 / 2:28 PM / 5 years ago

Verkauf der Depfa platzt - die Politik jubelt

- von Kathrin Jones und Matthias Sobolewski

A red traffic light is pictured next to the entrance to German lender Hypo Real Estate bank in Berlin, October 7, 2008. The German government and banks on Sunday agreed a new rescue package for Hypo Real Estate (HRE) to tackle fresh refinancing needs that surfaced at HRE's Depfa Bank unit, which specialises in state financing. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY) - RTX9AIJ

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Der Bund hat den Verkauf des Staatsfinanzierers Depfa in letzter Minute platzen lassen - und wird dafür parteiübergreifend gelobt.

Finanzexperten von Union, SPD und Grünen begrüßten am Mittwoch einhellig, dass die Krisentochter der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) nicht an einen Finanzinvestor losgeschlagen, sondern in Eigenregie abgewickelt wird. Das kann zwar Jahrzehnte dauern, verspricht aber nach Ansicht der Politiker ein besseres Ergebnis für den Steuerzahler. Allerdings bleiben so auch die Risiken länger beim Bund.

Die Depfa kommt bis Jahresende in die “Bad Bank”, die der Staat in der Finanzkrise für die milliardenschweren Giftpapiere der kollabierte HRE[NUEG.UL] eingerichtet hat. Für das gesunde HRE-Überbleibsel Pfandbriefbank pbb, das im nächsten Jahr privatisiert werden muss, sind das schlechte Vorzeichen. “Der Schaden ist schwer zu bemessen”, hieß es in Finanzkreisen. Der Verkaufsprozess solle aber demnächst wie geplant starten.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits zu Wochenbeginn aus Koalitions- und Finanzkreisen erfahren, dass der Depfa-Verkauf wackelt. In den mehrstündigen Beratungen im Lenkungsausschuss des staatlichen Rettungsfonds SoFFin, dem die HRE gehört, setzte sich am Dienstag dann die SPD durch, wie Insider berichteten. Deren Vize-Fraktionschef Carsten Schneider sagte Reuters: “Die Bundesregierung hat unter Abwägung aller Risiken eine kluge Entscheidung getroffen.” Auch der Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick betonte, die Eigenabwicklung sei besser, als die Depfa zu einem relativ niedrigen Preis zu verkaufen.

Die HRE, die den von der EU erzwungenen Bieterprozess für die Verluste schreibende Depfa im vergangenen Sommer gestartet und zeitweise zehn Interessenten angelockt hat, machte sich bis zuletzt für einen Verkauf stark. Unterschriftsreif war nach Angaben aus Verhandlungskreisen ein Kaufvertrag mit dem Finanzinvestor Leucadia und dem Versicherer MassMutual[MMLIC.UL], in dem die Depfa mit 320 Millionen Euro bewertet wurde. Der Bund verspricht sich aber durch die Abwicklung deutlich höhere Gewinne, indem er die Wertpapierbestände der Depfa über die Zeit auslaufen lässt und bis dahin die Zinsen einstreicht. Die Vermögenswerte könnten auch einzeln abverkauft werden, weil sich der Markt für viele Papiere inzwischen erholt hat. Die größten Schrottbestände der Depfa lagern ohnehin schon in der Bad Bank FMS Wertmanagement.

KEINE SCHNELLE LIQUIDIERUNG

Bereits am Mittwochmorgen lief FMS-Chef Christian Bluhm bei der Depfa in Dublin auf, um den weiteren Fahrplan vorzustellen. “Eine schnelle Liquidierung ist nicht vorgesehen”, hieß es dort in einer Präsentation, die Reuters vorliegt. Teilnehmern zufolge hält sich die Begeisterung der Depfa-Mitarbeiter darüber, in einer Bad Bank zu landen, trotzdem in Grenzen. “Es sind Tränen geflossen”, berichtete ein Beteiligter.

Zur genauen Höhe des erhofften Abwicklungsgewinns hüllt sich das Finanzministerium in Schweigen. Zwei Insider sagten Reuters, auf die 320 Millionen Euro könne noch einmal “ein niedriger bis mittlerer dreistelliger Millionenbetrag” draufgeschlagen werden. Die HRE selbst hatte den Abwicklungswert in einem internen Dokument auf 114 Millionen Euro beziffert. Zur Begründung hieß es: Die Bank bleibe in den nächsten Jahren in den roten Zahlen, der Wert der Wertpapierbestände hänge am Auf und Ab der Märkte.

Die FMS hatte von der HRE ursprünglich Giftpapiere im Volumen von 175 Milliarden Euro übernommen, kommt beim Portfolio-Abbau überraschend schnell voran und macht dabei sogar wieder Gewinne, wie unlängst die Jahresbilanz 2013 gezeigt hatte. Der Bankenrettungsfonds SoFFin sitzt allerdings auch fünf Jahre nach der Finanzkrise noch auf Verlusten von fast 21,5 Milliarden Euro. Mit einer lukrativen Abwicklung der Depfa mit einer Bilanzsumme von 49 Milliarden Euro könnte er allenfalls einen Bruchteil davon wieder hereinholen. Wenn es nach dem Grünen-Finanzexperten Schick geht, sollte auch gleich die pbb auf der Resterampe landen: “Dann kann man Kosten und Frust, die ein abgebrochenes Verkaufsverfahren erzeugt, vermeiden.”

redigiert von Philipp Halstrick; Bei Rückfragen wenden Sie sich an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1231 oder 030-2888 5168.

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