December 19, 2017 / 9:30 AM / a month ago

Aufschwung am Höhepunkt - Euphorie in Wirtschaft lässt nach

Berlin (Reuters) - Angesichts der bereits rund laufenden Konjunktur in Deutschland erwartet die Wirtschaft für 2018 keinen Extra-Schub mehr.

Nach zwei Anstiegen in Folge auf ein Rekordniveau sank der Geschäftsklimaindex im Dezember leicht um 0,4 auf 117,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. “Zur Weihnachtszeit ist die Stimmung in den deutschen Chefetagen ausgezeichnet, aber nicht mehr ganz so euphorisch wie im Vormonat”, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten ihre Geschäftslage besser, die Aussichten dagegen schlechter als zuletzt: “Dies lässt vermuten, dass der aktuelle Aufschwung gerade seinen Höhepunkt erreicht oder ihn bereits überschritten hat”, so Ökonom Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Dass Deutschland fast drei Monate nach der Bundestagswahl noch keine neue Regierung hat, sorgt nach Einschätzung der Münchner Forscher in den Top-Etagen der Wirtschaft zudem für Unbehagen: “Die Wirtschaft wartet auf eine Regierungsbildung”, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Das Ifo-Barometer bildet erstmals in vollem Umfang die Reaktion auf das Scheitern der Jamaika-Sondierungen ab. “Man sollte den Rückgang aber nicht überbewerten. Wenn die Lage schon sehr gut ist, wird es schwieriger, noch bessere Geschäfte zu erwarten”, sagte Wohlrabe.

EXPORTEURE AUF REKORDKURS

Doch die Exporteure setzen für 2018 trotz zahlreicher Risiken auf ein Rekord-Ergebnis. Die Ausfuhren dürften um fünf Prozent auf 1,34 Billionen Euro zulegen, teilte der Branchenverband BGA in Berlin mit. Beim Import erwartet der Verband ein Plus von sieben Prozent auf 1,1 Billionen Euro und damit ebenfalls eine neue Bestmarke. Verbleibende Risiken seien neben den Brexit-Folgen der zunehmende Protektionismus, eine Schwächung der internationalen Organisationen, Unruheherde im Nahen Osten und das hohe Konfliktpotential in der Nordkorea-Krise, sagte BGA-Präsident Holger Bingmann.

Für das Ifo-Institut gibt es zwar aktuell noch keine konjunkturelle Überhitzung. Die Wirtschaft befinde sich aber womöglich auf dem Weg dahin, warnte Ifo-Präsident Fuest jüngst. Die Bundesbank erwartet für die kommenden Jahre eine allmähliche Verlangsamung des Wachstums. Sie rechnet für 2017 mit einem kalenderbereinigten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,6 Prozent. 2018 soll das Plus mit 2,5 Prozent einen Tick niedriger ausfallen. 2019 wird demnach nur noch ein Wachstum von 1,7 Prozent herausspringen und 2020 ein vergleichbar mageres Plus von 1,5 Prozent. Diese Abkühlung in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone könnte in eine heikle geldpolitische Phase fallen, in der die Europäische Zentralbank die Abkehr von dem jahrelangen Kurs des billigen Geldes vollziehen dürfte.

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