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Wirtschaftsnachrichten

DIW - Zweite Infektionswelle könnte auf Immobilienmarkt durchschlagen

An empty street is pictured on Labour Day, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues, in the Kreuzberg district of Berlin, Germany May 1, 2020. REUTERS/Hannibal Hanschke

Berlin (Reuters) - Eine zweite Corona-Infektionswelle kann Experten zufolge den bislang stabilen Immobilien- und Wohnungsmarkt in Deutschland treffen.

“Auch ohne eine große Immobilienpreisblase könnte es dann zu deutlichen Wertkorrekturen und Kreditausfällen kommen”, sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claus Michelsen, am Donnerstag in Berlin. Das wäre nicht nur eine schlechte Nachricht für die Banken, sondern auch für viele Privathaushalte. “Letztlich könnte eine gefährliche Abwärtsspirale aus sinkenden Einkommen, sinkenden Preisen und einer weiter schrumpfenden Wirtschaft in Gang kommen”, warnte Michelsen.

Bislang zeigt sich der Immobilienmarkt weitgehend unbeeindruckt von der Corona-Rezession. Mieten und Immobilienpreise seien trotz des historischen Konjunktureinbruchs bis zuletzt weiter gestiegen, auch wenn sich die Dynamik zumindest bei den Mieten etwas verlangsamt, zeigt die DIW-Studie. Gegenüber dem ersten Quartal 2020 seien diese zuletzt um rund ein Prozent gestiegen, während der Zuwachs vor dem Jahreswechsel noch bei etwa 1,4 Prozent gelegen habe. Der Anteil der Landkreise mit sinkenden Neuvertragsmieten sei dabei von knapp 15 Prozent auf rund 27 Prozent gestiegen.

Bei Eigentumswohnungen blieb der Studie zufolge der Preisanstieg mit 3,3 Prozent im zweiten Quartal in etwa so stark wie vor der Krise mit 3,2 Prozent. “Insgesamt geht der Preisaufschwung auf dem Immobilienmarkt damit in sein zehntes Jahr und hat mittlerweile so gut wie alle Regionen in Deutschland erfasst”, so das DIW. Zwar ließen sich in wachsenden und stark wachsenden Städten sowohl für Eigenheime und Eigentumswohnungen als auch für Baugrundstücke explosive Preismuster nachweisen. Mit Blick auf das Verhältnis von Kaufpreisen und Mieten sei dies allerdings überwiegend nicht der Fall. Auch die Entwicklung der Kreditvergabe spreche eher gegen eine spekulativ getriebene Preisblase.

Zumindest für die Banken- und Finanzmarktstabilität sei es eine gute Nachricht, dass die Corona-Krise bisher nicht für Turbulenzen auf den Immobilien- und Wohnungsmärkten gesorgt habe. “Würde die Wirtschaftskrise auf den Immobiliensektor überspringen und fielen dann in größerem Ausmaß Immobilienkredite aus, könnte das viele Banken in zusätzliche Schwierigkeiten bringen”, sagte Michelsen. “Das Letzte, was Politik, Wirtschaft und auch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler jetzt gebrauchen können, sind strauchelnde Banken und zusammenbrechende Immobilienmärkte – die Herausforderungen sind schon groß genug.”

Allerdings bereite die Entwicklung auch Sorge, da gerade die geringverdienenden Haushalte in der Krise durch Kurzarbeit und wegfallende Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit Einbußen hinnehmen müssten, sagte Michelsen. Damit dürfte die Mietbelastungsquote - der Anteil der Miete am verfügbaren Einkommen - steigen und dies die Konsummöglichkeiten einschränken. “Die ohnehin schon angespannte Wohnungsmarktsituation wird so zumindest für Teile der Bevölkerung noch einmal problematischer.”

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