May 21, 2012 / 5:18 PM / 7 years ago

Auch Immobilienfonds CS Euroreal steht vor dem Aus

Frankfurt (Reuters) - Das Sterben der Offenen Immobilienfonds in Deutschland macht auch vor dem Branchen-Flaggschiff CS Euroreal nicht Halt: Der sechs Milliarden Euro schwere Fonds wird aufgelöst, wie Fondsmanager Karl-Heinz Heuß am Montag ankündigte.

Es ist das zehnte Produkt dieser Art, das die Finanzkrise nicht überlebt. Credit Suisse hatte bis zuletzt auf eine Wiederöffnung gehofft und - nach dem Vorbild des Konkurrenzprodukts SEB ImmoInvest - eine Blitzöffnung nach dem neuen Anlegerschutzgesetz erwogen. Allerdings auch hier ohne Erfolg: Die vorab gesammelten Verkaufsorders waren zu hoch. “Die Rückgabewünsche haben die ursprünglichen Prognosen massiv überschritten”, erklärte Heuß. “Auf dieser Basis gibt es keine Alternative zur Auflösung.”

Wieviele Anleger aussteigen wollten, gab Credit Suisse zunächst nicht bekannt. Die Rückgabewünsche hätten allerdings “signifikant” über der freien Liquidität von 27 Prozent gelegen, sagte Heuß. Jetzt müssen alle Investoren warten: Sie bekommen halbjährliche Ausschüttungen, während der Immobilienbestand bis 2017 abverkauft wird. Die erste Auszahlung soll es spätestens im Dezember geben. Offen ist jedoch, wieviel die Anleger von ihrem Geld am Ende tatsächlich wiedersehen. Denn Fonds in der Abwicklung haben bei Verkäufen eine begrenzte Verhandlungsmacht. Den Wert der Anteilsscheine des CS Euroreal hatte Heuß vor kurzem bereits um 3,5 Prozent herabgesetzt und dies mit einer Anpassung der Risikovorsorge und Steuerbelastungen im Ausland begründet.

Der CS Euroreal und der SEB ImmoInvest sind mit jeweils sechs Milliarden Euro Fondsvolumen die größten Anbieter der Branche hierzulande. Seit zwei Jahren waren sie eingefroren, nahmen also keine Anteilsscheine mehr zurück. Jetzt mussten sie entscheiden, ob sei eine nachhaltige Wiederöffnung schaffen oder aber für immer dichtmachen. Wie etliche andere Produkte auch waren sie in der Finanzkrise in Turbulenzen geraten, weil institutionelle Investoren damals auf einen Schlag Milliardensummen abzogen. Die langfristigen Immobilienanlagen stehen der kurzfristigen Verfügbarkeit von Geldern aber entgegen - ein Konstruktionsfehler, der erst mit dem neuen Anlegerschutzgesetz behoben wurde, das 2013 in Kraft tritt.

Hätte die Liquidität gereicht, alle Ausstiegswilligen auszuzahlen und den Betrieb trotzdem fortzuführen, wäre der CS Euroreal mit dem neuen Regelwerk an den Start gegangen. Anteilsschein-Rückgaben hätte er dann nur noch einmal im Jahr erlaubt. Allerdings war weithin erwartet worden, dass es der CS Euroreal nicht schafft, nachdem das Votum schon beim SEB ImmoInvest so eindeutig negativ war.

Die Branche insgesamt hat trotz der jüngsten Abwicklungsmeldungen die Chance auf einen Neubeginn, wie die Ratingagentur Scope erst in der vergangenen Woche erklärte. Das liege vor allem an dem starken Vertriebsnetz der verbleibenden großen Anbieter Deka, Union Investment und RREEF. Für die Fonds in der Abwicklung hat der Schrecken aber noch kein Ende, denn Anwälte laufen sich warm. Sie argumentieren, gerade Kleinsparern seien Offene Immobilienfonds jahrelang als sichere Anlage verkauft worden. Betroffene Anleger sollten deshalb Schadenersatzansprüche gegen die beratende Bank oder Kapitalanlagegesellschaft prüfen. Gundlage dafür seien eine mögliche Falschberatung oder eventuell fehlerhafte Angaben im Prospekt, erklärte der Hamburger Fachanwalt Peter Hahn.

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