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Deutsche Industrie trotz Euro-Stärke mit Auftragsanstieg
6. Oktober 2017 / 06:06 / vor 17 Tagen

Deutsche Industrie trotz Euro-Stärke mit Auftragsanstieg

Berlin (Reuters) - Dank starker Auslandsnachfrage trotz der Euro-Aufwertung füllen sich die Auftragsbücher der deutschen Industrie.

A worker poses for a photo through an aluminium coil during opening of a production line for the car industry at a branch of Norway's Hydro aluminum company in Grevenbroich, Germany May 4, 2017. REUTERS/Wolfgang Rattay

Bei den Unternehmen gingen im August 3,6 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vormonat. Das ist der kräftigste Anstieg seit Dezember 2016, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten lediglich mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet, nachdem es im Juli noch einen Rückgang von 0,4 Prozent gegeben hatte. “Die Bestelltätigkeit hat sich zuletzt von hohem Niveau aus nochmals erhöht”, erklärte das Ministerium. “Der solide Aufschwung im Verarbeitenden Gewerbe dürfte sich demnach fortsetzen.”

Die Nachfrage aus dem Inland zog um 2,7 Prozent an, die aus dem Ausland um 4,3 Prozent. Dabei nahmen die Neuaufträge aus den Ländern außerhalb der Euro-Zone mit 7,7 Prozent besonders deutlich zu - und das, obwohl die Gemeinschaftswährung seit Jahresbeginn um rund zwölf Prozent aufgewertet hat. Das macht Waren “Made in Germany” in anderen Währungsräumen teurer. “Allerdings könnte der Aufwärtstrend bei den Bestellungen aus dem Ausland zum Jahresende hin stärker vom gestiegenen Euro-Außenwert belastet werden”, erwartet BayernLB-Ökonom Stefan Kipar. Dem steht eine verbesserte Weltkonjunktur gegenüber, von der Export-Europameister Deutschland besonders profitiert: Die Welthandelsorganisation WTO hob erst kürzlich ihre Prognose für das Wachstum des globalen Warenaustauschs in diesem Jahr von 2,4 auf 3,6 Prozent an.

Gefragt waren vor allem Vorleistungen wie Chemikalien: Hier wuchsen die Bestellungen um 6,7 Prozent. Bei Konsumgütern gab es ein Plus von 4,8 Prozent, bei Investitionsgütern wie Maschinen von 1,6 Prozent. “Wir gehen davon aus, dass diese Zahlen die tatsächliche Entwicklung eher überzeichnen”, warnte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen vor zu großer Euphorie. “Denn die bereits vorliegenden Produktionszahlen der Automobilindustrie deuten darauf hin, dass in diesem Jahr ungewöhnlich wenige Werksferien im August lagen, was zu einer höheren Produktion und damit auch mehr Nachfrage nach Zulieferungen führte.”

Die deutsche Wirtschaft war zwischen April und Juni um 0,6 Prozent gewachsen. Sie dürfte Ökonomen zufolge im abgelaufenen dritten Quartal ähnlich deutlich zugelegt haben. “Die Dynamik der deutschen Wirtschaft ist ungebrochen”, sagte Ökonomin Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. “Positiv ist vor allem auch die Breite des Aufschwungs.” Dieser wird derzeit nicht nur vom Außenhandel, sondern auch vom Konsum und den Investitionen getragen. Das Statistikamt veröffentlicht die erste Schätzung für das dritte Quartal im November.

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