January 8, 2020 / 7:19 AM / 7 months ago

Industrie mit Auftragsminus - "Verhaltener Ausblick für 2020"

Aerial view of a container terminal in the port of Hamburg, Germany November 14, 2019. REUTERS/Fabian Bimmer

Berlin (Reuters) - Die schwache Auslandsnachfrage und ein Mangel an Großbestellungen haben der deutschen Industrie im November einen unerwarteten Auftragsschwund eingebrockt.

Das Neugeschäft fiel um 1,3 Prozent schwächer aus als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet. Im Oktober hatte es noch ein Plus von 0,2 Prozent gegeben, im September von 1,0 Prozent. “Damit fällt auch der Ausblick der Industrie für das neue Jahr verhalten aus”, sagte die Konjunkturexpertin des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK), Katharina Huhn, zu der Entwicklung.

Während die Bestellungen aus dem Inland im November um 1,6 Prozent zulegten, sanken die Aufträge aus dem Ausland um 3,1 Prozent. Dabei fiel die Nachfrage aus den Euro-Ländern um 3,3 Prozent, die aus dem Rest der Welt um 2,8 Prozent. Eine schwächere Weltkonjunktur, Handelskonflikte und das Brexit-Chaos haben die exportabhängige Industrie in die Rezession gedrückt und damit die gesamte Wirtschaft belastet.

“BLUTLEER NACH OBEN”

“Jetzt kommen im Nahen Osten auch noch militärische Konflikte hinzu”, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, angesichts der Eskalation zwischen den USA und dem Iran. “Das verheißt für den deutschen Auftragseingang vorerst nichts Gutes.” Dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge gingen 2018 etwa 51 Milliarden Euro an deutschen Exporten in die Region einschließlich der Türkei und Ägypten. Die Rezessionsgefahr sei keineswegs gebannt, warnte Gitzel daher. In den kommenden Monaten sei lediglich “eine blutleere Aufwärtsbewegung” bei der deutschen Industrieproduktion zu erwarten, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Wichtige Konjunkturindikatoren hatten sich zuletzt stabilisiert. So legte der Ifo-Geschäftsklimaindex - der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft - am Jahresende zu. “Der Ausblick für die Industriekonjunktur hat sich etwas verbessert”, betonte das Ministerium deshalb. Für das zu Ende gegangene vierte Quartal rechnen viele Experten erneut nur mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent.

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