May 6, 2020 / 6:17 AM / 22 days ago

Industrie brechen Aufträge weg - "Der Tragödie erster Teil"

Wads of 100 euro banknotes are stacked in a pile at the Money Service Austria company's headquarters in Vienna, Austria, March 3, 2016. REUTERS/Leonhard Foeger

Berlin (Reuters) - Der deutschen Industrie bricht das Neugeschäft wegen der Corona-Krise in einem nie dagewesenen Tempo weg.

Sie sammelte im März 15,6 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte. Da auch die Dienstleister unter den Corona-bedingten Geschäftsschließungen leiden, sagt die EU-Kommission Europas größter Volkswirtschaft den stärksten Konjunktureinbruch der Nachkriegszeit voraus: Das Bruttoinlandsprodukt soll in diesem Jahr um 6,5 Prozent einbrechen. Die Verluste werden dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zufolge “definitiv erst im übernächsten Jahr” aufgeholt sein.

“Im Zuge des weltweiten Konjunkturschocks durch die Corona-Pandemie sowie der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung sind die industriellen Auftragseingänge im März drastisch eingebrochen”, erklärte das Wirtschaftsministerium in Berlin. Ökonomen befürchten, dass es in den Folgemonaten noch schlimmer kommt. “Der März ist der Tragödie erster Teil”, sagte DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. “Der Einbruch der Auftragseingänge zeigt die Wucht, mit der Corona auf die deutsche Industrie trifft. Und dennoch ist das erst die eine Hälfte der Wahrheit, denn zu dem Kollaps der Neuaufträge wird auch eine Welle von Auftragsstornierungen kommen.”

Die Bestellungen bei Investitionsgütern - zu denen Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen gehören - brachen im März mit 22,6 Prozent überdurchschnittlich ein. “Das Epizentrum der Auftragsschwäche war die Automobilindustrie”, sagte Scheuerle. “Keine andere Industrie-Branche war von den Produktionsstopps stärker betroffen.” Zahlen des Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt deuten darauf hin, dass der Abwärtstrend anhält: Im April kamen mit 120.840 Neuwagen 61,1 Prozent weniger Fahrzeuge auf die Straße als vor Jahresfrist.

“NOCH EINIGE ZEIT UNTER NORM”

“Die Wirtschaft steht vor der tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg”, sagt angesichts solcher Daten die EU-Kommission voraus. Sie erwartet zwar, dass sich die deutsche Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte und danach wieder erholt. “Aber aufgrund der anhaltenden Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens und des Reiseverkehrs sowie des beeinträchtigten Außenhandels wird sie noch einige Zeit unter der Norm bleiben.” Für 2021 wird ein Wachstum von 5,9 Prozent erwartet.

Der Industrieverband BDI zeigt sich pessimistisch. “Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft mit voller Wucht”, sagte ihr Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. “Die Daten für den Auftragseingang in der Industrie im März bestätigen die schlimmsten Befürchtungen.” Jede Woche eines Shutdowns koste die deutsche Volkswirtschaft einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag an Wertschöpfung.

Düster sieht es auch bei den Dienstleistern aus. Deren Einkaufsmanagerindex fiel im April auf das Rekordtief von 16,2 Punkten nach 31,7 Zählern im März. Erst ab 50 signalisiert das Barometer ein Wachstum. “Geschäftsschließungen, Kurzarbeit und ein Einbruch bei den Neuaufträgen trugen allesamt zum Rückgang bei”, sagte Ökonom Phil Smith vom Institut IHS Markit, das die monatliche Umfrage durchführt. “Trotz erster Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen herrscht nach wie vor große Verunsicherung und Skepsis unter den Unternehmern über den Zeitplan der Exit-Strategie und über die künftige Nachfragesituation.”

Im Einzelhandel stehen einer Umfrage zufolge bei mehr als jedem dritten Unternehmen in Deutschland die Geschäfte in großen Teilen oder sogar ganz still. In der Reisewirtschaft laufe derzeit sogar bei drei von vier Betrieben so gut wie nichts, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer Vorabauswertung seiner Firmenumfrage mit. Bei den Unternehmen des Gastgewerbes - Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants, Bars und Biergärten - ist die Lage demnach ebenfalls dramatisch. Dort seien sechs von sieben Betrieben ganz oder teilweise geschlossen.

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