June 5, 2020 / 6:12 AM / a month ago

Industrie brechen Aufträge weg - "Trauriger Tiefpunkt"

Employees work at the A3 and A4 production line of the German car manufacturer Audi, amid the spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Ingolstadt, Germany, June 3, 2020. REUTERS/Andreas Gebert

Berlin (Reuters) - Der deutschen Industrie sind die Aufträge wegen der Coronakrise in Rekordtempo weggebrochen.

Sie sammelte im April 25,8 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik 1991. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Minus von 19,7 Prozent gerechnet, nachdem es bereits im März einen starken Rückgang von 15,0 Prozent gegeben hatte. “Im Shutdown-Monat April hat sich der Einbruch der industriellen Auftragseingänge erwartungsgemäß noch einmal verstärkt”, erklärte das Ministerium.

Die Einschränkungen gegen die Corona-Pandemie galten in den meisten wichtigen Absatzländern während des gesamten Monats. “Der massive und nochmals beschleunigte Auftragsabsturz ist daher kein Hexenwerk”, sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. Das Ministerium ist allerdings optimistisch, das es künftig wieder etwas besser aussieht: “Angesichts der allmählichen Lockerungen dürfte der Tiefpunkt der Industrierezession damit aber auch durchschritten sein.” Banken-Ökonomen sehen das ähnlich. “Der April dürfte den traurigen Tiefpunkt der Rezession markiert haben”, sagte DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle.

“AUF DEM NIVEAU VON 1993”

Besonders die Autoindustrie litt unter der Coronakrise. “Dort wurde ein Auftragsniveau erzielt, das dem des Jahres 1993 entspricht”, sagte Scheuerle. Hier zeichnet sich aber ab Mai ebenfalls eine Besserung ab. Während im April praktisch keine Autos produziert worden seien, erreichte das Niveau im Mai immer knapp 40 Prozent des Vorjahresschnitts, wie Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen sagte.

Die Aufträge aus dem Inland sanken im April um 22,3 Prozent zum Vormonat. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen sogar um 28,1 Prozent zurück. Dabei sackten die Aufträge aus der Euro-Zone um 30,6 Prozent ab, die aus dem restlichen Ausland um 26,7 Prozent. “Die Achillesferse bleibt natürlich die starke Exportorientierung der deutschen Wirtschaft”, sagte der Europa-Chefvolkswirt des Vermögensverwalters DWS, Martin Moryson. “Solange die Welt in der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte steckt, solange wird auch die deutsche Wirtschaft – und hier vor allem die Industrie – leiden.”

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