May 7, 2019 / 6:37 AM / 17 days ago

Industrie mit Auftragsplus - Dennoch "klingeln Alarmglocken"

General view of the 'Bauma' Trade Fair in Munich, Germany, April 8, 2019. REUTERS/Michaela Rehle

Berlin (Reuters) - Die deutsche Industrie hat nach zwei deutlichen Rückgängen in Folge wieder ein Auftragsplus geschafft.

Dennoch werten Ökonomen dies noch nicht als Wende zum Besseren. Das Neugeschäft stieg im März um 0,6 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Experten hatten allerdings ein fast dreimal höheres Plus erwartet. “Insgesamt spricht die Auftragslage im Verarbeitenden Gewerbe dafür, dass die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten gedämpft bleibt”, erklärte das Ministerium. Viele Fachleute sehen dies deutlich skeptischer. “Die heutigen Zahlen unterstreichen noch einmal, dass sich die deutsche Industrie in einer ausgeprägten Rezession befindet”, sagte Commerzbank-Analyst Ralph Solveen.

Die Industrie spürt schon länger die Abkühlung der globalen Konjunktur, während die Dienstleister auch dank der Kauflaune der Verbraucher zulegen. “Je länger allerdings das schlechte außenwirtschaftliche Umfeld die Industrie nach unten drückt, desto größer ist die Gefahr, dass hiervon auch die Inlandsnachfrage und damit der Dienstleistungssektor in Mitleidenschaft gezogen werden”, warnte Solveen. Auch Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, betonte: “In Anbetracht eines Auftragsschwunds in den deutschen Schlüsselindustrien klingeln die Alarmglocken.” Weniger Bestellungen bedeute weniger Produktion und am Ende auch weniger Beschäftigung. “Noch ist es nicht so weit, aber die Unternehmen werden ihre Personalplanungen vermutlich mit Samthandschuhen anfassen.”

Im Februar waren die Aufträge noch mit vier Prozent so stark eingebrochen wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. “Der leichte Orderzuwachs im März geht nicht zuletzt auf Großaufträge zurück”, erklärte das Ministerium nun. Die Aufträge aus dem Inland sanken um 4,2 Prozent, während die Auslandsnachfrage im gleichen Umfang kletterte. Dabei zogen vor allem die Bestellungen aus den Euro-Ländern mit 8,6 Prozent kräftig an.

Vor dem Hintergrund der trüberen Konjunktur und der deshalb geringeren Steuermehreinnahmen fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ein Gegensteuern der großen Koalition. “Unsere Unternehmen warten ungeduldig auf die dringend notwendige Modernisierung des Unternehmensteuerrechts”, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

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