August 6, 2019 / 6:29 AM / 17 days ago

Warnungen trotz größtem Auftragsplus der Industrie seit 2017

Furnaces are seen at the Badische Stahlwerke (BSW) steel plant, after a signed-project between French and German authorities, to convert heat rejected furnaces of the plant into a heating source for housings in Kehl, Germany and Strasbourg, France, in Kehl, Germany May 13, 2019. REUTERS/Vincent Kessler

Berlin (Reuters) - Die Lage der deutschen Industrie bleibt trotz des größten Auftragszuwachses seit fast zwei Jahren ernüchternd.

Das Neugeschäft kletterte im Juni zwar überraschend deutlich um 2,5 Prozent - aber nur dank vieler Großaufträge. Klammert man diese aus, gingen die Bestellungen um 0,4 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Ökonomen betonten, auch die Stimmung der Industrie habe sich im Juli nochmal verschlechtert. “Damit steigt die Gefahr, dass die Wirtschaft nach dem von uns erwarteten leichten Minus im zweiten Quartal auch im dritten Quartal leicht schrumpfen wird”, sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen. “Eine Rezession kann wohl weiterhin nur durch eine recht ordentliche Binnennachfrage vermieden werden”, sagte Stefan Kipar von der BayernLB.

Der langjährige Boom der Industrie ist längst vorbei. Grund sind die internationalen Handelskonflikte mit den USA, das Schwächeln der Autobranche und die Unsicherheit rund um den Brexit. Die am Finanzmarkt viel beachteten Markit-Umfragen zum Einkaufsmanagerindex signalisierten jüngst, dass das Verarbeitende Gewerbe im Juli so stark schrumpfte wie zuletzt vor sieben Jahren. “Die sehr schlechte Stimmung in der Industrie lässt befürchten, dass das Order-Plus im Juni nur eine Atempause in einem anhaltenden Abwärtstrend war”, sagte Solveen. Auch Kipar warnte: “Das ist eine absolut trügerische Zahl”. Das Bundeswirtschaftministerium geht davon aus, “dass der konjunkturelle Wendepunkt in der Industrie noch aussteht”.

ÜBERSTUNDENABBAU HAT DERZEIT KONJUNKTUR

Im zweiten Quartal gingen die Aufträge um 1,0 Prozent zurück, nach minus 4,2 Prozent zu Jahresanfang. Die Großbestellungen treffen nach Kipars Worten ohnehin oft Branchen, die tendenziell ein dickes Polster und damit eine höhere Auslastung hätten. “Aktuell rettet uns der hohe Auftragsbestand - noch”, sagte der BayerLB-Fachmann. “Wenn bis zum vierten Quartal kein Schwung beim Neugeschäft kommt, drohen aber womöglich Personalanpassungen wie Kurzarbeit.”

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) äußerte sich skeptisch. Das Auftragsplus im Juni gebe den Firmen “nur wenig Hoffnung auf eine versöhnliche zweite Jahreshälfte”, sagte DIHK-Außenwirtschaftsexpertin Melanie Vogelbach. “Die Vorzeichen bleiben negativ.” Denn die Handelskonflikte belasteten die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft.

Die Auslandsaufträge legten im Juni kräftig um fünf Prozent zu, dabei stiegen die Bestellungen aus Ländern außerhalb der Euro-Zone dank vieler Großaufträge deutlich um 8,6 Prozent. Das Inlandsgeschäft hingegen sank um ein Prozent. “Die rückläufigen Bestellungen aus dem Inland bestätigen einmal mehr, dass sich die deutsche Wirtschaft bereits inmitten einer Rezession befindet”, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Arbeitnehmer der Autobranche oder aus der Metall- und Elektroindustrie spürten dies bereits. “Überstundenabbau ist in so manchem Betrieb derzeit angesagt.”

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